Von Simon Hage und Claus G. Schmalholz
Mittendrin im strukturschwachen Osten gibt es ein Unternehmen mit einer buchstäblich sonnigen Zukunft. Der Solarzellenhersteller Q-Cells aus Thalheim bei Bitterfeld entwickelte sich binnen weniger Jahre von einem Start-up zu einem Vorzeigeunternehmen, dessen wunderbare Wachstumsstory nun von einem Börsengang gekrönt wird, der dem Unternehmen rund 280 Millionen Euro in die Kasse spült. Q-Cells gilt bereits als ein möglicher Aufsteiger in den TecDax
.
Mit dem frischen Kapital will Vorstandschef Anton Milner die Marktposition im Bereich der Solarzellenproduktion ausbauen. Weltweit liegt das Unternehmen, das über 500 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von rund 140 Millionen erwirtschaftet, bereits auf Platz fünf. "Unser Ziel sind die Top drei", sagt Milner. Zu diesem Zweck hat Q-Cells im Frühjahr die größte Solarzellenfabrik Europas in Betrieb genommen.
Milner studierte Industriechemie in London, zusätzlich erwarb er einen MBA-Titel an der französischen Topschule Insead. Am Beginn seiner Karriere kümmerte er sich noch um konventionelle Formen der Energieerzeugung. Von 1984 bis 1992 arbeitete er für die Royal Dutch/Shell Group
im Öl- und Gashandel. Danach wechselte er zu McKinsey & Company in Berlin. Seit April 2000 ist er als Vorstandschef der Q-Cells AG unter anderem für die strategische Entwicklung des Unternehmens zuständig.
Vorausschauend sorgt Milner vor, um die Zukunft seiner Firma zu sichern. Denn während die Energie aus dem Himmel zum Betrieb der Solaranlagen praktisch unbegrenzt zur Verfügung steht, herrscht bei den Rohstoffen aus der Erde eine gewisse Knappheit. Damit die Versorgung mit dem Rohprodukt Silizium gesichert ist, schloss Q-Cells mit großen Lieferanten langfristige Verträge ab.
Den positiven Blick des Unternehmenschefs in die Zukunft teilen die Analysten der Citigroup, einer der Konsortialführer des für den 5. Oktober geplanten Börsengangs. Sie rechnen bis 2007 mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 62 Prozent pro Jahr und einer steigenden Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit): 19 Prozent in diesem Jahr und 21 Prozent in 2006.
Der weltweit steigende Energiebedarf kann nach Milners Überzeugung nicht allein mit fossilen Energieträger gedeckt werden: "Heute wird das verbrannt, was morgen nicht ersetzt werden kann". Erneuerbare Energiequellen spielten also eine immer wichtigere Rolle. Über 1,7 Milliarden Menschen lebten heute ohne Zugang zu elektrischem Strom. Blendende Aussichten also für das junge Unternehmen, das seinen Sitz dort hat, wo eben stets die Sonne aufgeht: im Osten.
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