Freitag, 27. Mai 2016

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Vorbild für Deutschland? Windkraft kommt in Spanien jetzt ohne Subventionen aus

Windkraftanlagen bei Saragossa: Spanien ist neben Dänemark und Deutschland in Europa Vorreiter bei der Windenergie

Spanien gilt als Europas Ökostrom-Vorreiter - doch vor vier Jahren hat die Regierung die Förderung der erneuerbaren Energien gestoppt. Auf diese Weise wollte sie die Kosten in den Griff bekommen und Überkapazitäten verhindern.

Nun hat das Land erstmals wieder Subventionen für neue Windparks ausgeschrieben. Doch die umgekehrte Auktion endete mit einer großen Überraschung: Die Gewinner verlangen keinen einzigen Cent an Zuschüssen, wie die Fachzeitschrift E&M daily unter Berufung auf das spanische Industrieministerium berichtet. Stattdessen wollen sie den Strom offenbar am freien Markt verkaufen.

Damit ist Spanien nach Einschätzung des Branchen-Informationsdienstes ICIS möglicherweise das erste Land, in dem die Windenergie im großen Stil ohne öffentliche Fördermittel oder Einspeisetarife auskommt. In der Auktion ging es um Anlagen mit einer Leistung von 500 Megawatt. Bei vollem Wind erzeugen sie soviel Strom wie ein mittleres Kohlekraftwerk.

"Dies ist hoffentlich der Beginn einer neuen Ära", zitierte ICIS einen Sprecher des Versorgers Iberdrola. Der Konzern ist allerdings bei der Auktion nicht zum Zug gekommen. Hingegen sicherte sich das Ökoenergie-Unternehmen Forestalia einen Großteil der ausgeschriebenen Kapazität und deren Netzanschluss.

In Deutschland wird es laut Branchenvertretern noch etwas länger dauern, bis Windstrom ohne Subventionen auskommt. "In Spanien weht der Wind stärker", sagte ein Sprecher des Rotorenherstellers Nordex gegenüber manager-magazin.de Daher sei die Stromerzeugung dort billiger. In den meisten Lagen könne es die Windkraft hierzulande erst in drei bis sieben Jahren mit konventionellen Kraftwerken aufnehmen.

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Ähnlich sieht es der Bundesverband Windenergie (BWE), dessen Mitglieder zum Teil von hohen Einspeisetarifen für Windkraftanlagen profitieren. In Deutschland sei der Börsenstrompreis zu niedrig, um Windstrom direkt und ohne Fördermittel zu vermarkten, sagte ein BWE-Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Doch die Bunderegierung will die Windmüller nicht länger schonen und plant ebenfalls Auktionen in Deutschland. "Die Zeiten des Welpenschutzes für die erneuerbaren Energien sind vorbei", sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Zuletzt hat sich der Ausbau der Windkraft in Deutschland dank der üppigen Vergütung beschleunigt - an Land wie auf See.

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In Deutschland gibt es bisher nur einzelne Windräder, deren Strom Unternehmen selbst verbrauchen und für die es daher keine gesetzliche Vergütung gibt. So betreibt BMW derartige Anlagen bei seinem Werk in Leipzig. Aluminiumhersteller Trimet plant drei Anlagen auf dem Firmengelände im Hamburger Hafen.


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