Donnerstag, 25. August 2016

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Funkfeuer Fluglotsen blockieren Ausbau der Windkraft

Drehfunkfeuer in Baden-Württemberg: Keine Windräder in 15 Kilometern Umkreis

Windräder an Land sollen Deutschland im Alleingang mit billigem, grünem Strom versorgen - doch nun stoßen die schönen Pläne auf neue Hindernisse. Bereits genehmigte Anlagen werden von der Flugsicherung gekippt, die um ihre Funknavigation fürchtet. Die Branche schäumt.

Hamburg - Klaus Klinckhamer ist außer sich. Von "Narrenfreiheit" schimpft der Unternehmer und Landwirt aus Ostholstein, "das ist doch unglaublich", zitieren ihn die "Lübecker Nachrichten". Was Klinckhamer, als langjähriger CDU-Landtagsabgeordneter eine Politgröße in der Gegend, so erregt: Die bereits erteilte Baugenehmigung für das Repowering seines Windparks Neurathjensdorf-Rossee wurde kürzlich zurückgezogen, ebenso wie für mehrere andere Anlagen im Kreis.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte Einspruch eingelegt, weil die höheren Mühlen die Signale ihres Drehfunkfeuers im nahen Michaelsdorf stören könnten - nach eigenen Angaben schon vor der Genehmigung der neuen Windräder. Aber offenbar wurde die Brisanz der Stellungnahme in Kiel erst jetzt erkannt.

Hintergrund ist eine Richtlinie der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), die für hohe Neubauten um solche Anlagen einen Mindestabstand von 15 Kilometern statt bisher drei Kilometern vorschreibt. "Das ist rechtlich bindend", erklärt Kerstin Weber, Sprecherin des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung. Die Vorschrift solle "die Sicherheit im Flugverkehr erhöhen". Übrigens gelte sie schon seit 2009.

Mit einem zweiten Drehfunkfeuer im Süden des Kreises decken die 15-Kilometer-Radien Ostholstein weitgehend ab - und damit sind die ambitionierten Ausbaupläne Schleswig-Holsteins hinfällig, das sich nach der bereits reichlich mit Windrädern versehenen Nordseeküste in aufwändiger Planung vor allem der Ostsee zugewandt hat, um noch mehr Wind zu Strom zu machen. Die Kieler Regierung will das Veto der Lotsen nicht hinnehmen. Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) teilt mit, er habe "Kontakt zu den Flugsicherungsbehörden aufgenommen, um kurzfristig in einem Gespräch Kompromissmöglichkeiten auszuloten".

500 15-Kilometer-Kreise würden die Bundesrepublik abdecken

Ähnliche Fälle gibt es bundesweit, etwa im Allgäu, bei Stuttgart, besonders häufig rund um Deutschlands wichtigsten Flughafen in Frankfurt. Behördensprecherin Weber nennt eine dreistellige Zahl von Anlagen, von den besonders sensiblen 360-Grad-Funkfeuern stehen nach DFS-Angaben "knapp hundert" im Land - 43 "auf der Strecke" und weitere an jedem Flughafen. Rechnerisch würden 500 Anlagen mit 15 Kilometer Umkreis ausreichen, um die gesamte Fläche der Bundesrepublik zur Windradverbotszone zu machen.

Erst vor zwei Wochen hatte das Umweltbundesamt Furore mit einer Studie gemacht, der zufolge 13,8 Prozent Deutschlands für die Windkraft nutzbar seien - und damit diese erprobte Technik das ganze Land mit billigem, grünem Strom versorgen könne. Amtschef Jochen Flasbarth erklärte den teuren Ausbau der Windkraft auf See sogar für verzichtbar.

Alle "Ausschlussflächen" mit entsprechenden Abständen, die ihnen einfielen, hatten die Forscher bedacht: Bundesautobahnen, sonstige Straßen, Schienenverkehr, Seilbahnen, Flughäfen (mit fünf Kilometern Abstand), Flugplätze, Freileitungen, Siedlungsgebiete, ökologisch sensible Gebiete, Wald, Gewässer, Hangneigungen über 30 Grad. Aber keine Drehfunkfeuer.

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