Donnerstag, 26. Mai 2016

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Branche fürchtet nach Rekordjahr weniger Subventionen Windkraft-Industrie redet sich klein

Windkraftanlagen in Thüringen: Der Ausbau ging 2015 stark voran, doch angesichts eines neuen Fördersystems erwartet die Branche hier im laufenden Jahr deutlich weniger Neubauten an Land. Sie sieht die Ökostrom-Ziele der Regierung gefährdet

Der Ausbau der Windenergie an Land ist auch 2015 kräftig gestiegen. Windräder mit einer Leistung von mehr als 3700 Megawatt gingen im vergangenen Jahr neu ans Netz, wie der Bundesverband Windenergie (BWE) am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Alte Anlagen mit rund 200 Megawatt wurden abgebaut. Das Rekordjahr 2014 mit fast 4400 Megawatt wurde zwar verfehlt. Damals hat es aber eine Reihe von Sondereffekten gegeben. Aber auch die Zahlen für 2015 liegen deutlich über dem von der Bundesregierung angepeilten Netto-Leistung von 2500 Megawatt pro Jahr.

Hinzu kommen außerdem noch Offshore-Windräder mit einer Leistung von 2300 Megawatt. Mit zusammen 6000 Megawatt ist die Windenergie insgesamt in diesem Jahr so rasant gewachsen wie nie zuvor. Möglich gemacht hat es die Kombination aus sinkenden Anlagenpreisen und kaum gekürzter Förderung - wie einst beim deutschen Solarboom.

Anlagen produzieren so viel Strom wie ein bis zwei Atomkraftwerke

Der Netto-Zubau an Land und auf See entspricht der rechnerischen Leistung von etwa sechs Atomkraftwerken - bei vollem Wind. Flauten mit eingerechnet, dürften die neuen Windräder übers Jahr in etwa so viel Strom produzieren wie ein bis zwei Atomkraftwerke.

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Der Branche ist das Rekordjahr angesichts wachsender Kritik am raschen Zubau offenbar nicht geheuer. Sie betont lieber, dass der Ausbau an Land im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen ist. Die Zahlen für Offshore- und Onshore- Windkraftwerke wurden getrennt und mit einem Abstand von zwei Wochen kommuniziert, der Gesamt-Ausbau erscheint auf diese Weise weniger spektakulär.

Das mildert den öffentlichen Druck auf die Branche womöglich etwas - in einer Phase, da die Regierung das Fördersystem auch deshalb ändern will, weil der massive Zubau zunehmend die Netze belastet. Im vergangenen Jahr mussten die Netzbetreiber häufig in die Netze eingreifen und Windkraftanlagen häufig abregeln. So entstanden Kosten in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro.

Während derzeit die Betreiber mit auf 20 Jahre garantierten Abnahmepreisen kalkulieren können, sollen künftig Solar- und Windparks ausgeschrieben werden. Derjenige soll den Zuschlag bekommen, der am wenigsten Fördermittel bekommt.

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Dies trifft bei der Windbranche - aber auch bei vielen Bundesländern - auf Widerstand. In Baden-Württemberg etwa hat erst jetzt ein nennenswerter Bau von Windrädern begonnen. Gerade die windschwächeren Binnenländer fürchten, dass künftig ausschließlich im Norden gebaut wird und so die eigenen Ausbauziele für erneuerbare Energien verfehlt werden.

Bundesverband Windenergie sieht Ökostrom-Ziele der Regierung gefährdet

Das geplante neue Fördersystem verunsichere die Branche, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers, in Berlin. In diesem Jahr sei daher noch ein Bau von etwa 3300 Megawatt Leistung zu erwarten. Dies sei aber zuwenig, um die Ökostrom-Ziele der Regierung zu erreichen. "3500 Megawatt ist die Untergrenze dessen, was gebraucht wird", sagte Albers.

Bis 2025 soll insgesamt ein Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von 40 bis 45 Prozent erreicht werden. Angesichts der milliardenschweren Förderkosten verlangen etwa Wirtschaftspolitiker der Union, dass allenfalls die Untergrenze angepeilt werden soll. Die Windenergiebranche argumentiert, die Zahlen seien gerade angesichts des weltweiten Klimavertrags von Paris überholt. Albers sagte, der Anteil müsse nun eher bei 60 Prozent liegen.

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rei/nis/rtr/dpa

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