Donnerstag, 30. Juni 2016

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Neuer Schock für RWE, Eon und Co. Kohlestrom-Produktion bricht drastisch ein

Kohlekraftwerk der Stadtwerke Hannover: Viel Ökostrom im Netz drängt die Großanlagen aus dem Markt
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Kohlekraftwerk der Stadtwerke Hannover: Viel Ökostrom im Netz drängt die Großanlagen aus dem Markt

Für RWE, Eon und Co. kommt es knüppeldick. Der milde Winter und große Mengen Ökostrom im Netz haben die Produktion ihrer Kohlekraftwerke in den vergangenen Monaten einbrechen lassen. Für die ohnehin gebeutelten Gaskraftwerke sieht die Lage noch dramatischer aus.

Hamburg - Falls die Energiewende für die deutschen Stromversorger bisher irgendeine positive Seite hatte, dann die: Trotz eines steigenden Ökostrom-Anteils legte die Produktion ihrer Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahren zu - unter anderem, weil der Billigstrom made in Germany im Ausland reißenden Absatz fand.

Auf dieses Phänomen können sich die Versorger aber offenbar nicht dauerhaft verlassen. Der Kohletrend ist jedenfalls vorerst gebrochen - sehr zum Ärger von Unternehmen wie RWE Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen und Steag. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar stellten die Großkraftwerke deutlich weniger Elektrizität her als in der Vorjahresperiode.

Das haben Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme auf Basis von Daten der Strombörse EEX ergeben (hier die Originaldaten für 2014, 2013 und 2012). Die Energiewirtschaft bestätigte die Ergebnisse gegenüber manager magazin online weitgehend:

• Die Produktion von Strom aus Braunkohle ging demnach um 5,5 Prozent zurück (minus 2,1 Terawattstunden)

• Steinkohlekraftwerke setzten satte 15,2 Prozent weniger Strom ab (minus 4,8 Terawattstunden)

• Aus Gaskraftwerken flossen gar 20,6 Prozent weniger Elektrizität ins Netz (minus 4,2 Terawattstunden).

Als Hauptursache für den drastischen Produktionsrückgang gelten der milde Winter, windiges und sonniges Wetter sowie der weiter fortschreitende Ausbau der erneuerbaren Energien. Die höheren Temperaturen reduzierten die Nachfrage nach Strom zum Heizen. Unter anderem hatte Frankreich im Winter 2012/13 zu diesem Zweck viel Strom aus Deutschland importiert.

Wind und Sonne kurbelten gleichzeitig die Ökostrom-Produktion an: Windkraft legte um 43,5 Prozent zu (plus 6 Terawattstunden), Photovoltaik um 121,4 Prozent (plus 1,7 Terawattstunden). Dies liegt auch daran, dass im vergangenen Jahr vor allem die Windkraft deutlich ausgebaut wurde. Unter anderem gingen die ersten größeren Offshore-Windparks ans Netz.

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