Mittwoch, 31. August 2016

Ölpreis auf Langzeittief Wie viel billiger Sprit noch werden kann

Nicht ganz so wild wie an der Rohstoffbörse: Rabattschlacht an der Tankstelle

Ein Fass Öl für 30 Dollar. Ein Liter Diesel für einen Euro. Wie im Schlussverkauf mutet das Geschehen auf dem Markt der wichtigsten Treibstoffe an - wenn man bedenkt, dass Öl vor nicht allzu langer Zeit noch zu 150 Dollar gehandelt wurde. Und Diesel 1,50 kostete … Moment. Kann es sein, dass das Minus an der Tankstelle im Vergleich zu den Rohstoff-Weltmärkten eher bescheiden ist? Auch der Liter Benzin ist mit rund 1,20 Euro nicht sooo viel billiger als zu Rekordzeiten.

Was ist da los?

"Der Spritpreis ist der Brotpreis der Nation", heißt es bei der zum BP-Konzern gehörenden Tankstellenkette Aral. Nichts werde so heiß diskutiert, und kaum eine Ware unterliege so "extremem Wettbewerb". Man selbst verdiene "lediglich einen Cent Gewinn pro verkauftem Liter" - nach Steuern, die den größten Teil der Rechnung ausmachten.

Das Bundesfinanzministerium wiederum hat seine eigene Klarstellung: "Der Staat hat weder unter konjunkturellen noch unter steuerlichen Gesichtspunkten ein Interesse an hohen Benzinpreisen." Denn die Energiesteuer richte sich nach der Absatzmenge und nicht nach dem Umsatz. Die Mehrwertsteuer wiederum steige zwar mit dem Preis, eine höhere Belastung der Autofahrer führe aber zu Einbußen an anderer Stelle.

Tatsächlich sind die Energiesteuersätze - 65,45 Cent je Liter Benzin, 47,04 Cent für Diesel - seit 13 Jahren unverändert. Der Steueranteil nimmt zwar mit sinkenden Spritpreisen zu: Im November belief er sich auf rund 65 Prozent. In absoluten Zahlen aber ergibt das für den Staat ein Minus an Einnahmen.

Für den Fiskus macht das Auf und Ab der Preise ohnehin kaum einen Unterschied. Der Absatz ist nämlich seit Jahren rückläufig - zumindest beim Benzin. Diesel hingegen wird zwar stärker gefragt, kann wegen des niedrigeren Steuersatzes aber kaum den Ausfall an Einnahmen für den Staat ausgleichen. Beide Trends sind ziemlich stabil.

Man kann den Energiesteuersatz als eine Art Sockel für den Benzinpreis sehen, der mit dazu führt dass es an der Tankstelle nicht so wild zugeht wie an der Börse. Die großen Schwankungen der vergangenen Jahre waren für Rohöl etwa dreimal so stark wie die für Benzin - und zwar nach oben ebenso wie nach unten.

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