Donnerstag, 28. Juli 2016

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Weltweite Stromerzeugungs-Kapazität Windkraft überholt Atomenergie

Energie-Weltkarte: Die wichtigsten Windkraft- und Atomkraft-Länder
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Energie-Weltkarte: Die wichtigsten Windkraft- und Atomkraft-Länder

Die Windenergie boomt in Deutschland - und global. In Kürze wird die weltweit installierte Leistung der Rotoren größer sein als die der globalen Atomkraftwerke. Die Folgen für Energieversorger sind erheblich.

Hamburg - Nicht nur in Deutschland hat die Windkraft 2014 ein Rekordjahr erlebt - auch weltweit wurde ersten Schätzungen zufolge soviel Kapazität wie noch nie zugebaut. Auf etwa 44 Gigawatt summiert sich die Leistung aller neu installierten Rotoren, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte.

Zusammen mit den bereits bestehenden Windkraftanlagen erhöhte sich die Gesamtleistung zum Jahreswechsel auf 365 Gigawatt, schätzt der Global Wind Energy Council. Damit wird es laut VDMA nur noch wenige Wochen oder Monate dauern, bis die Windkraft weltweit die Atomkraft überholt hat. Derzeit sind laut der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA 439 Reaktoren mit einer Leistung von 377 Gigawatt in Betrieb.

Bei dem Vergleich ist allerdings zu beachten, dass Windkraftanlagen ihre Leistung nur dann voll abrufen können, wenn der Wind mit voller Kraft bläst. Dagegen laufen Kernkraftwerke praktisch immer auf Hochtouren, wenn sie nicht gerade in Revision oder wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet sind. Dadurch erzeugen Atomkraftwerke immer noch etwa drei- bis viermal so viel Strom wie Windräder.

Erhebliche Folgen für die Energiewirtschaft

Die Folgen des Paradigmenwechsels sind für die Energiewirtschaft dennoch erheblich. "Investitionen in konventionelle Kraftwerke lohnen sich schon bei relativ geringem Anteil von Wind und Solarenergie nicht mehr oder werden riskanter", sagt Energieexperte Matthias von Bechtolsheim von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. "Das gilt besonders für Kernkraftwerke mit hohen Investitionssummen." Wenn die Politik keine langfristig stabilen Rahmenbedingungen schaffen könne, würden sich Energieversorger in manchen Märkten aus der konventionellen Erzeugung verabschieden.

Schon jetzt sind die weiteren Aussichten für die Atomkraft miserabel. Zwar sind 69 neue Anlagen im Bau, viele davon in China. Doch in Ländern wie den USA gehen zunehmend alte Reaktoren vom Netz, auch in Frankreich dürfte es bald so weit sein. In Japan sind immer noch sämtliche 50 Reaktoren abgeschaltet. Zudem verzögert sich die Fertigstellung neuer Anlagen vielerorts, die Kosten explodieren.

In Großbritannien sollen zwei neue Reaktoren mit einer Leistung von 3,2 Gigawatt entstehen - zum Preis von 24,5 Milliarden Pfund (33 Milliarden Euro). Für dieses Geld ließen sich Windkraftanlagen mit einer Leistung von etwa 33 Gigawatt bauen, die wesentlich mehr Strom erzeugen würden, allerdings abhängig vom Wetter.

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