Freitag, 1. Juli 2016

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Energienetze Vattenfalls letzte Schlacht

Vattenfall in Deutschland: Debakel in sieben Akten
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Atomausstieg, Solarboom, Strompreisverfall: Der schwedische Versorger Vattenfall holt sich in Deutschland eine blutige Nase nach der anderen. Nun wollen Bürgerinitiativen dem Unternehmen auch noch die Netze wegnehmen. Wann ordnet Stockholm den Rückzug an?

Für Pieter Wasmuth ist es ein Heimspiel, und das genießt er. Milde lächelnd sitzt der Vattenfall-Generalbevollmächtigte auf dem Podium im alten Hamburger Unilever-Bürohochhaus. Geladen hat der Wirtschaftsrat der CDU, mit den wichtigsten Leuten hier ist er per du. Wasmuth ist trotz seiner 47 Jahre schon ein hanseatisches Manager-Urgestein, gedient hat er unter anderem bei Shell und dem Windrad-Hersteller Repower.

Nun weiß er die Granden der Unternehmenswelt hinter sich, wenn er für den Verbleib von Stromnetzen und Fernwärme bei seinem Unternehmen wirbt. "Die Stadt wäre mit dem Betrieb überfordert", erklärt der Zwei-Meter-Mann mit dunklem Haar und kantigem Kinn ruhig. Immer wieder brandet Beifall auf, die Mehrzahl der übrigen Diskutanten nickt. Nur der Vertreter des Bundes für Naturschutz und Umwelt (BUND) kämpft wacker dafür, dass die Bürger beim Volksentscheid am 22. September mit "ja" stimmen.

So lässig Wasmuth hier auch auftritt - für Vattenfall steht in Deutschland mal wieder viel auf dem Spiel. Auch in Berlin stellen die Wähler im Herbst die Weichen für die Frage, ob das Unternehmen weiter sichere Gewinne aus dem Geschäft mit Kabeln und Umspannwerken einstreichen kann - oder sich das Unternehmen erneut eine blutige Nase holt.

Vom Heilsbringer zum Hassobjekt

So geht es seit Jahren - nachdem die Schweden hierzulande anfangs als Heilsbringer für mehr Umweltschutz und Wettbewerb gefeiert wurden, lief es bald darauf katastrophal:

• Der von Rot-Grün und Schwarz-Gelb beschlossene Atomausstieg bringt den Konzern um jährliche Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe: Fast die gesamte Kernkraft-Erzeugungskapazität von Vattenfall ist außer Betrieb. Dazu frisst die Brennelementesteuer die Gewinne der verbliebenen 20-Prozent-Beteiligung am Atomkraftwerk Brokdorf auf

• Der Solarboom - ausgelöst durch Subventionen und billige Module - hat die Strompreise an der Börse auf Talfahrt geschickt. Deutschland-Statthalter Tuomo Hatakka zürnt über den kaum gebremsten Ausbau der Fotovoltaik: "Wir haben ein Monster auf die Beine gebracht"

• Das neue Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg droht wegen des Preisverfalls als Milliardengrab zu enden. Den Bau hatte einst die Landesregierung vehement eingefordert

• Die für Vattenfall wichtige, aber klimaschädliche Stromerzeugung aus Braunkohle gerät verstärkt unter Beschuss von Umweltschützern und Politikern. Gleichzeitig konnte der Konzern die Öffentlichkeit nicht davon überzeugen, das bei der Verbrennung massiv anfallende Treibhausgas Kohlendioxid unter der Erde zu lagern.

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