Montag, 22. Oktober 2018

Energienetze Vattenfalls letzte Schlacht

Vattenfall in Deutschland: Debakel in sieben Akten
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3. Teil: "Lange werden die es hier nicht mehr aushalten"

Umso bedeutender werden die Netze für die Versorger - und umso mehr geht es für Vattenfall in der aktuellen Debatte. Hinzu kommt, dass der Besitz an ihnen offenbar auch beim Stromabsatz hilft. Um die 40 Prozent aller Stromkunden glauben laut Umfragen, dass es am sichersten ist, wenn sie den Strom von dem Konzern beziehen, der auch die Netze besitzt.

Gut möglich also, dass Stockholm in Deutschland den Stecker zieht, wenn auch eine der letzten von Vattenfalls Ertragsperlen vor die Hunde geht - angesichts immer neuer Rückschläge ist Vattenfalls Kampf um die Netze womöglich die letzte Schlacht der Schweden in Deutschland.

"Vattenfall bleibt auf absehbare Zeit Eigentümer seiner kontinentaleuropäischen Aktivitäten", sagte Vattenfall-Deutschlandchef Hatakka zuletzt. Auf absehbare Zeit - dieses lauwarme Bekenntnis interpretierten viele Beobachter als Anfang vom Ende des Kontinentaleuropa-Experiments der Skandinavier.

Emotionale Bindung

"Lange werden die es hier wohl nicht mehr aushalten", sagt ein Brancheninsider. Sobald ein Interessent genügend Geld auf den Tisch lege, könnten die Schweden zügig den Rückzug antreten.

Gerade erst hat der Konzern die Weichen dafür gestellt - ab kommendem Jahr firmieren die skandinavischen getrennt von den kontinentaleuropäischen Aktivitäten. Zudem gibt es harte Sparprogramme, die die deutsche Tochter hübscher machen sollen. Leicht dürfte es aber nicht werden, einen Käufer zu finden. Das gilt erst recht, wenn Vattenfall nicht mehr die Netze besitzt.

Vattenfall-Manager Pieter Wasmuth ist von all dem Ärger nicht viel anzumerken beim Hamburger Wirtschaftsrat der CDU. Beflügelt vom lockeren Punktsieg auf dem Podium, stellt er sich vor der Bühne den Fragen einer blonden und ebenfalls ziemlich großen Gymnasiastin.

"Warum wollen Sie die Netze denn nun behalten, wenn sie der Stadt doch angeblich nichts bringen?", hakt sie nach; um eine klare Antwort hatte Wasmuth sich zuvor gedrückt. "Wir haben eine sehr emotionale Bindung zu Hamburg", sagt er nun. Eine Bindung, die jedoch schon bald ein abruptes Ende finden könnte.

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