Freitag, 24. November 2017

Fortum greift nach Uniper So löst sich die einst mächtigste Industrielobby auf

Uniper-Kraftwerk Datteln - noch nicht in Betrieb

Dieser Deal bereitet den Boden für den Kohle-Ausstieg in Deutschland. Der Energiekonzern Eon steht davor, sein ehemaliges Kerngeschäft Uniper einschließlich des deutschen fossilen Kraftwerksparks an die finnische Fortum-Gruppe zu verkaufen.

So ändert sich das Kräfteverhältnis kurz vor Beginn der Jamaika-Koalitionsverhandlungen, in denen es auch um die Bedingung der Grünen geht: "Die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke schalten wir sofort ab, damit Deutschland das Klimaschutzziel 2020 noch erreichen kann."

Union und FDP würden das zwar nicht so unterschreiben. Dem Klimaziel verpflichtet haben sie sich grundsätzlich aber auch. Und noch wichtiger: Die Industrielobby, deren wirtschaftliche Interessen eine Kohlewende betreffen würde, bildet praktisch keine wirksame Gegenmacht mehr.

Zur Erinnerung: Eon Börsen-Chart zeigen war noch vor einem Jahrzehnt der wertvollste Dax-Konzern. Alle energiepolitischen Weichenstellungen in Deutschland mussten mit der Düsseldorfer Zentrale ausgehandelt werden.

Fortum gehört mehrheitlich dem finnischen Staat. Uniper wollen die Finnen zwar nicht komplett übernehmen, aber das strategische Interesse liegt künftig beim Großaktionär. Und der sieht sich als "führender Anbieter sauberer Energie".

An Uniper lobt Fortum zwar auch das "diversifizierte Portfolio" und den starken Cash-Flow, als Brücke in die erneuerbare Zukunft finden die Finnen aber nur das erwähnenswert, was sie aus ihrem eigenen Geschäft kennen: Wasser- und Atomkraft in Schweden, Gaskraftwerke in Russland. "Fortum ist absolut einem saubereren Europa verpflichtet", erklärt Konzernchef Pekka Lundmark.

Die fossile Produktion in Deutschland ist nur noch ein Nebengedanke - einschließlich des zu Uniper gehörenden Steinkohlekraftwerks Datteln IV, das nach jahrelanger Verzögerung bald den Probebetrieb starten soll, schon um eine Milliarden-Investitionsruine zu vermeiden. Es könnte das letzte Hurra der Kohlekraft werden (immerhin würde es wohl nicht zu den 20 schmutzigsten Kraftwerken zählen).

Der Besitzerwechsel der Eon-Kraftwerke ist nur einer von mehreren Schritten, mit denen sich die einst mächtige deutsche Kohlelobby klammheimlich auflöst.

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