Sonntag, 4. Dezember 2016

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Ukraine-Krise Deutschland hamstert so viel Gas wie noch nie

Gasspeicher von RWE in Tschechien: Die Sorgen vor einem Engpass wachsen

Die kalte Jahreszeit naht, und damit wächst die Furcht vor Gas-Lieferengpässen wegen der Ukraine-Krise. Auch deshalb haben die deutschen Gasspeicher-Betreiber ihre Anlagen so voll gepumpt wie noch nie. Brüssel und Berlin bereiten sich ebenfalls auf den Ernstfall vor.

Hamburg - Lange schien es, als ginge die Krise in der Ukraine fast spurlos am europäischen Gasmarkt vorbei. Seit Jahresbeginn kannten die Preise praktisch nur eine Richtung: nach unten. Zeitweilig war der Brennstoff in Europa gar nicht mehr viel teurer als in den USA, wo die Fracking-Technologie für ein riesiges Angebot sorgt.

Doch kaum steht der Winter vor der Tür, bekommen die Nachrichten aus der Ostukraine einen bedrohlicheren Klang. "Der Markt ist sehr nervös", erklärt der Branchendienst Energie & Management den jüngsten Preisanstieg auf etwa 21 Euro pro Megawattstunde.

Noch immer haben sich Kiew und Moskau nicht auf einen Preis für russisches Gas geeinigt. Unter einem Lieferstopp des Kreml würde potenziell auch die EU leiden.

Brüssel und Berlin feilen an Notfallplänen

In Brüssel und Berlin feilen die Bürokratien daher an Notfallplänen, doch auch die Betreiber von Gasspeichern haben das ihre getan: Fast überall in Europa sind die Kavernen gut gefüllt, wie die Übersicht des Branchenzusammenschlusses Gas Infrastructure Europe (GIE) zeigt.

Besonders gut gerüstet ist demzufolge Deutschland: In den Speichern lagerten am 1. September den GIE-Angaben zufolge 19,6 Milliarden Kubikmeter - ein Rekord. Zum Vergleich: Der deutsche Jahresverbrauch liegt etwa bei 90 Milliarden Kubikmetern und ist tendenziell rückläufig.

"In den deutschen Erdgas-Speichern ist mehr Erdgas gespeichert als jemals zuvor zu dieser Jahreszeit", sagt der Sprecher des Vorstands der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, Timm Kehler. "Die deutsche Erdgaswirtschaft geht gut aufgestellt in den Winter und wird zuverlässig liefern."

Das hohe Sicherheitspolster verdankt der Markt einerseits dem Wetter. "Die Speicher wurden wegen des milden Winters nur wenig beansprucht", sagt der Hamburger Energiemarkt-Experte Steffen Bukold gegenüber manager magazin online. "Trotzdem haben die Gasexporteure ihr Angebot nicht eingeschränkt, so dass wir jetzt eine gewisse Überversorgung haben."

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