Montag, 30. Mai 2016

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Deutsche Mittelständler kontern Angriff von Elon Musk "Teslas Batterie ist technisch nicht beeindruckend"

Ranking der Tesla-Fighter: Diese Batterie-Mittelständler bieten Elon Musk die Stirn
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Varta Storage

Knapp eine Woche nach Teslas großer Batterie-Show reiben sich die Chefs einiger deutscher Mittelständler noch immer die Augen. Manch einer von ihnen kann nur schwer fassen, welche Euphorie Unternehmenschef Elon Musk für ein Produkt entfachte, das sie selbst seit Jahren herstellen - in besserer Qualität, wie sie selbst finden.

Vor einem fanatischen Publikum hatte Musk in Los Angeles einen Hausspeicher vorgestellt, der überschüssigen Strom aus Solaranlagen sammeln und später wieder abgeben soll. So sparen Verbraucher teure Elektrizität aus dem Netz. Revolutionär sei dieses Konzept, so Musk - dabei sind zahlreiche Firmen bereits mit derartigen Geräten am Markt.

Für die Batterien der etablierten Hersteller, die zumeist aus Deutschland kommen, hatte der Tesla-Chef allerdings wenig schmeichelhafte Worte parat: "They suck" - sie sind scheiße. Was er damit genau meinte, erläuterte Musk nicht. Tesla wollte die Aussage gegenüber manager magazin nicht kommentieren.

"Es wäre kein guter Stil, mit einer anderen Unflätigkeit zu reagieren"

Die derart Beschimpften versuchen, die Sache nüchtern zu nehmen. "Es wäre kein guter Stil, mit einer anderen Unflätigkeit zu reagieren", sagt der Chef und Gründer des bayerischen Herstellers Sonnenbatterie, Christoph Ostermann, gegenüber manager magazin.

Für ihn ist Musks Show eine Art Lehrstück. "Ich muss wirklich neidlos anerkennen, dass der Auftritt ganz großes Marketing-Kino war. Schließlich ist es gelungen, eine Batterie als ganz große Innovation zu verkaufen." Ostermanns Fazit zu Teslas Speicher: "Technisch nicht beeindruckend, kommunikativ eine Glanzleistung."

Auch Ostermann gelang allerdings ein kleiner Coup im Zusammenhang mit Tesla. Er verkündete den US-Markteintritt von Sonnenbatterie einen Tag vor der großen Musk-Präsentation. So schaffte es sein 100-Mitarbeiter-Unternehmen auf die Titelseite der "Financial Times".

Doch was ist nun mit der Qualität von Teslas Wunderakku? Bisher deutet tatsächlich vieles darauf hin, dass sie eher weniger und nicht mehr kann als die Speicher der deutschen Konkurrenz. Das mögliche Problem: Tesla verwendet nach Musks Angaben ähnliche Batteriezellen wie für seine Autos.

Das Unternehmen relativierte diese Aussage jedoch gegenüber manager magazin: Tesla nutze Zellchemie, die "für ihren Einsatz optimiert ist. Es ist nicht notwendigerweise diejenige, die wir für die Autos nutzen".

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