Mittwoch, 19. Dezember 2018

Dresdner Firma produziert künstlichen Diesel Der Treibstoff, aus dem die Träume sind

Power-to-Liquids: So entsteht der wundersame Ölersatz
Sunfire

3. Teil: Eine Brennstoffzelle macht die Anlage zum Energiewende-Problemlöser

"Wir streben einen Preis von einem bis 1,20 Euro pro Liter an", sagt Aldag. Doch das gilt noch nicht für den Stoff aus der Dresdner Pilotanlage. Er soll am Tag auch nur in einer Menge von etwa 160 Litern fließen. Im übernächsten Jahr will Sunfire die Kapazität der Anlage auf 1600 Liter herauffahren, etwas später soll die Herstellung im kommerziellen Maßstab beginnen.

Die Lufthansa und Audi testen schon seit längerem Alternativen zu herkömmlichem Treibstoff. So hat die Kranich-Airline Tests mit Biokerosin unternommen. Denn trotz immer effizienterer Flugzeuge steigen die Emissionen in der Luftfahrt immer weiter an - weil die Menschen weltweit mehr fliegen.

Audi hat bereits einen Millionenbetrag in eine Power-to-Gas-Anlage im Emsland gesteckt. Dort entsteht ein künstliches Erdgas, das in derselben Menge ins Netz eingespeist wird, die die Fahrer von Audi-Gasautos tanken.

Billiges Öl lässt Wirtschaftlichkeit in weite Ferne rücken

Auch Energieversorger wie Eon versuchen sich seit Jahren auf dem Gebiet der Erzeugung künstlichen Brennstoffs. Die Zahl der Demonstrationsanlagen wächst, doch der Durchbruch lässt auf sich warten.

Immer noch sind die Anlagen so teuer, dass der entstehende Treibstoff ein Vielfaches von herkömmlichem Öl oder Gas kostet. Dies gilt besonders in Zeiten wie diesen, in denen Öl auf einmal wieder deutlich billiger wird - anders als von vielen Vertretern der Power-to-Gas- und Power-to-Liquids-Branche erwartet.

Zudem dringen alternative Techniken wie Elektroautos auf den Markt, die den Markterfolg des künstlichen Wundertreibstoffes durchkreuzen könnten. Sunfire-Mann Aldag verweist jedoch darauf, dass sich das synthetische Mittel längst nicht nur im Straßenverkehr einsetzen lässt.

Ersatz für Ölimporte aus Russland und Arabien

Die technische Verheißung ist jedenfalls so groß, dass auch die Bundesregierung weiter voll hinter der Technik steht und die Anlage in Dresden finanziell unterstützt hat. "Mit diesem Verfahren werden wir unabhängiger vom Erdöl", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka im Vorfeld der Eröffnung gegenüber manager magazin. "Chemische Energiespeicher sind ein reelles Beispiel, wie wir die Energiewende schaffen können."

Tatsächlich geht es bei der Vision vom künstlichen Erdgas und Erdöl nicht nur um den Ersatz von Energieimporten aus Ländern wie Russland oder Arabien. Die Anlagen können vorzugsweise immer dann auf vollen Touren laufen, wenn der Wind stark weht oder die Sonne scheint - und Strom im Überfluss ins Netz drängt. Dann produzieren sie den Kraftstoff.

Künftig sollen Anlagen des Dresdner Typs aber auch bei Flaute und Wolken einen Sinn haben. Ergänzt um eine Brennstoffzelle, erzeugen sie dann Strom aus Erdgas oder Wasserstoff - und würden helfen, so manches Problem der deutschen Energiewende zu lösen. Zwar muss das Ganze noch deutlich günstiger werden. Dass es funktioniert, wird aber jetzt bewiesen.

Seite 3 von 3

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH