Mittwoch, 26. April 2017

Versicherer kritisieren Styropor Der Dämmstoff, aus dem die Albträume sind

Dämmung mit Styropor-Platten

Häuslebauer in Deutschland wollen es auch im Winter warm haben - und verpacken ihre vier Wände von außen gern mit Styropor. Der Dämmstoff ist günstig, leicht auf die Fassade zu kleben und reduziert den Energieverbrauch eines Hauses um bis zu 50 Prozent. Kein Wunder, dass nach dem Krieg in der Bundesrepublik mehr als 720 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche mit den weißen Platten verhüllt wurden.

Seit jeher umstritten sind allerdings die Eigenschaften von Styropor im Brandfall. In den vergangenen Jahren haben einzelne Feuer und Gutachten eine regelrechte Hysterie um brennende Fassaden ausgelöst.

Zwar sind solche Fälle vor allem bei Einfamilienhäusern unterm Strich eher selten. Doch eine Reihe von Großbränden in der Industrie hat die Versicherungsbranche aufgeschreckt - die Assekuranz rät inzwischen offen von Styropor, dem Ausgangsstoff Polystyrol und dem verwandten EPS-Hartschaum als Dämmstoff für Gewerbebetriebe ab, solange diese Materialien brennbar sind.

"Das kritische Brandverhalten von EPS-Hartschaum ist bekannt", erklärte eine Sprecherin des Versicherungs-Verbands GDV gegenüber manager-magazin.de. Im Industrie- und Gewerbebetrieb bestünden vielfältige Gefahren der Brandentstehung, etwa durch Verfahren mit Funken oder offener Flamme, sowie Anlagen und Einrichtungen mit sehr hoher Betriebstemperatur, so die Sprecherin. "Nicht zuletzt deshalb empfehlen die Versicherer die Verwendung nicht brennbarer Bau- und Dämmstoffe."

Brennendes Styropor-Lager in Wittenberge (Brandenburg)

Die Brandgefahren durch Wärmedämmung können der Sprecherin zufolge bisher bauordnungsrechtlich nicht geregelt werden. Im Klartext: Der Einsatz gefährlicher Stoffe ist erlaubt, aber nicht wünschenswert. Auf die Gefahren vor allem im Gewerbebereich "sollte jedoch ausdrücklich hingewiesen werden, da ein Brand erfahrungsgemäß erhebliche Sach- und Betriebsunterbrechungen verursachen kann."

Offiziell gilt die Wärmedämmung von Lagerhallen und Fabriken mit Styropor als sicher, weil die Platten mit Brandschutzfarbe gestrichen werden müssen. Zahlreiche weitere Vorkehrungen wie die abschnittweise Dämmung mit nicht brennbaren Materialien sollen Infernos verhindern. "Fachgerecht verarbeitete und den Zulassungen entsprechende Wärmedämmverbundsysteme mit EPS sind brandschutztechnisch sicher", heißt es beim Industrieverband Hartschaum, der BASF Börsen-Chart zeigen, Saint Gobain Börsen-Chart zeigen und andere Firmen vertritt.

Mitunter wird es dennoch gefährlich, etwa wenn Mitarbeiter unachtsam mit der Dämmung umgehen. Rammt ein Gabelstapler das Styropor, muss der Schaden unverzüglich beseitigt werden - ansonsten steigt die Feuergefahr.

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