Freitag, 9. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Stromspeicher als Durchbruch für die Energiewende Der heilige Gral - zum Greifen nah

Energiegroßspeicher in Magdeburg zu Forschungszwecken: Die Anlagen werden permanent besser und billiger

Starke Speicher gelten als heiliger Gral der Energiewende - sie könnten viele Probleme der Stromversorgung auf einen Schlag lösen. Lange waren sie viel zu teuer, doch jetzt wachsen die Chancen auf einen Durchbruch. Er ließe die Energiebranche in ihren Grundfesten erzittern.

Hamburg - Das Vorhaben wirkt ein bisschen größenwahnsinnig: US-Stromnetzbetreiber Oncor möchte in Texas Tausende Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von fünf Gigawatt bauen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das entspricht fünf Atomkraftwerken. Kosten: mindestens um die zwei Milliarden Dollar.

Mit dem Speicher will Oncor den schwankend anfallenden Strom aus Windkraft- und Solaranlagen besser ausnutzen und immer dann vermarkten, wenn die Nachfrage am höchsten ist. Dadurch würden sogar die Strompreise sinken, argumentiert der Versorger. "Dieser Vorschlag verändert die Spielregeln in der Branche grundlegend", kommentierte der texanische Senator Troy Fraser (Republikaner) den Vorstoß bereits.

Ob Oncor mit dem Vorschlag bei den Regulierungsbehörden durchkommt, ist noch unklar - und dennoch zeigt das Beispiel: Große, leistungsfähige Stromspeicher sind keine ferne Hoffnung in der Zukunft. Vielmehr wachsen die Chancen, dass vor allem Batterien schon bald einen Durchbruch erleben könnten - und damit gleich mehrere aktuelle Probleme der Stromversorgung auf einmal lösen.

Weltweit werde der Markt für diese Technologie von derzeit 675 Millionen Dollar bis 2024 auf 15,6 Milliarden Dollar wachsen, erwarten die Analysten des Beratungshauses Navigant. Das entspreche einer Speicherleistung von 20,8 Gigawatt.

Hauptgrund für den Optimismus: Die Anlagen werden permanent besser und billiger. Schon im Jahr 2018 soll der Preis für eine Kilowattstunde Speicherkapazität auf etwa 244 Dollar sinken, erwartet die Energy Strategies Group aus den USA. Damit habe Strom aus der Batterie das Kostenniveau von Strom aus amerikanischen Spitzenlast-Gaskraftwerken erreicht. Die Preisprognose deckt sich in etwa mit den Plänen von Tesla-Chef Elon Musk, der gerade eine gigantische Batteriefabrik in Nevada baut.

Segensreich für die Energieversorgung

Ein Durchbruch von günstigen Speichern wäre segensreich für das Energiesystem und die Verbraucher. So könnten Batterien (oder andere Speicher) die schwankende Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien glätten.

Texas steht dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland: In dem US-Bundesstaat hat bisher vor allem die Windenergie eine starke Stellung. Knapp 10 Prozent des Stroms erzeugen die Rotoren, das ist etwa so viel wie in der Bundesrepublik. Zunehmend setzen regionale Versorger auch auf Fotovoltaik, die dramatisch billiger wird.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH