Mittwoch, 27. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Expertenberechnungen Zeit neuer Strompreis-Schocks in Deutschland vorbei

Endlich Entlastung für Stromkunden? Der Preis könnte im kommenden Jahr deutlich sinken

Energiewende-Wende in Deutschland: Lange sind die Strompreise schnell gestiegen, nun kehrt sich die Entwicklung um: Im kommenden Jahr könnte Elektrizität erstmals seit der Jahrtausendwende merklich billiger werden. Dafür ist nicht nur die voraussichtlich sinkende EEG-Umlage verantwortlich.

Hamburg - Deutsche Stromkunden hatten in den vergangenen Jahren wenig Grund zur Freude. Seit 2010 ist der Preis für Elektrizität laut dem Statistischen Bundesamt um 26 Prozent gestiegen, seit der Jahrtausendwende hat er sich in etwa verdoppelt. Die Gründe sind vielfältig, besonders deutlich haben den Preis aber staatliche Abgaben getrieben - darunter die Ökostrom-Umlage.

Doch obwohl der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen munter weitergeht, ist diese Entwicklung offenbar gestoppt. Eine wachsende Zahl von Experten rechnet für 2015 mit sinkenden Preisen. Damit erhielte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) etwas mehr Luft bei seiner in mehreren Schritten geplanten Reform der Energiewende.

Dies zum einen, weil die EEG-Umlage im kommenden Jahr erstmals leicht sinken könnte. Zuletzt war diese Abgabe mit 6,24 Cent so hoch angesetzt, dass sich auf dem EEG-Konto ein Überschuss in Milliardenhöhe angehäuft hat: Die Verbraucher haben mehr für Ökostrom berappt, als an Windmüller sowie Biogas- und Solaranlagenbetreiber auszuzahlen war.

Sinkende Strompreise an der Börse schlagen mit Verzögerung durch

Dieser Effekt könnte Stromkunden im kommenden Jahr um etwa 0,2 Cent pro Kilowattstunde entlasten. Diese Größenordnung hat beispielsweise der Berliner Think Tank Agora Energiewende errechnet. Das ist für sich genommen nicht besonders üppig - eine Durchschnittsfamilie mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden würde damit etwa zehn Euro im Jahr sparen.

Zusätzlich profitieren Privathaushalte und Betriebe aber endlich verstärkt von sinkenden Strompreisen an der Börse. "Wir sehen ein sehr niedriges Preisniveau am Großmarkt, das mindestens stabil bleiben und möglicherweise weiter sinken wird", sagt Stromexperte Tobias Kurth vom Analysehaus Energy Brainpool.

Diese Entwicklung - befeuert von einem Überangebot an Elektrizität durch den Ausbau erneuerbarer Energien - hatte schon Anfang 2014 die steigende EEG-Umlage zum Großteil kompensiert und könnte nun mit Verzögerung erstmals voll durchschlagen.

"Da sich Stromvertriebe etwa drei Jahre im Voraus mit Terminkontrakten versorgen, wird sich dieser Preisverfall im kommenden Jahr erstmals und 2016 stärker in den Bezugskosten niederschlagen", schreibt das Berliner Öko-Institut in einer Stellungnahme gegenüber manager magazin Online. Die Forschungseinrichtung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Energiewende und den Auswirkungen auf den Strompreis.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH