Mittwoch, 1. Juni 2016

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BDEW-Präsident Trotz EEG-Reform - Deutsche müssen sich auf weiter steigende Strompreise einstellen

Teure Drehbewegung: Der Strompreis ist in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich gestiegen.

Die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird den Strompreisanstieg nicht stoppen - davon ist BDEW-Präsident Johannes Kempmann überzeugt. Die Versorger müssten höhere Kosten für den Netzausbau und Reservekraftwerke an die Verbraucher weiterreichen.

Hamburg - Trotz der Reform des Erneuernbare-Energien-Gesetzes (EEG) müssen sich die Deutschen auf weiter steigende Strompreise einstellen. "Es ist klar, dass Kosten auf die Kunden zukommen, für Netzausbau und die Bereitstellung von Back-up-Kraftwerken", sagte der neue Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Johannes Kempmann, im Interview mit manager magazin online.

"Auf Euro und Cent kann ich es nicht beziffern, aber es geht auf jeden Fall nach oben, nicht nach unten", sagte Kempmann, der Ende Juni zum neuen Cheflobbyisten der Energiewirtschaft gewählt wurde. Allein in die regionalen Verteilnetze müssen in den nächsten zehn Jahren etwa 25 Milliarden Euro investiert werden.

Kempmann forderte zudem Zahlungen für defizitäre Kraftwerke im Rahmen eines so genannten "Kapazitätsmarktes". "Wenn wir sichere Stromversorgung wollen, brauchen wir eine gesicherte Leistung von etwa 85 Gigawatt, und diese Dienstleistung muss künftig bezahlt werden."

Viele Versorger verdienen mit Kraftwerken derzeit kein Geld, weil große Mengen von Ökostrom den Preis drücken und Altkraftwerke aus dem Markt drängen. Diese Anlagen werden zum Teil gleichwohl benötigt, um die schwankende Stromeinspeisung aus Windkraft- und Solaranlagen auszugleichen.

Die Mitglieder seines Verbandes rief Kempmann dazu auf, einheitlich aufzutreten. "Unsere Branche gerät wirtschaftlich stärker unter Druck", sagte er. "Das führt manchmal dazu, dass Teile der Industrie ihre Partikularinteressen formulieren. Gerade unter den äußeren Bedingungen müssen wir aber mit einer Stimme sprechen."

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