Donnerstag, 30. Juni 2016

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Stürmischer November Windräder erzeugen erstmals soviel Strom wie Braunkohle-Kraftwerke

Windräder vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde (Brandenburg): Im November waren diese beiden Energieträger im Ranking der wichtigsten Stromquellen erstmals gemeinsam vorn

Der stürmische November hat Deutschland einen neuen Windstrom-Rekord beschert. Die Rotoren erzeugten 11,42 Terawattstunden Elektrizität, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) auf Basis vorläufiger Daten der Leipziger Strombörse EEX errechnet hat.

Damit haben Windräder erstmals in einem Monat ziemlich genau soviel Strom erzeugt wie Braunkohle-Kraftwerke. Diese stellten 11,46 Terawattstunden für die Verbraucher bereit und blieben nur haarscharf die wichtigste Stromquelle in Deutschland. "Die Zahlen liegen so nah beieinander, dass man von einem Gleichstand reden kann", sagte Fraunhofer-Stromexperte Bruno Burger.

An der Momentaufnahme zeigt sich, wie rasant der Ausbau von Windkraftanlagen in Deutschland voranschreitet. Für dieses Jahr rechnet der Bundesverband Windenergie (BWE) damit, dass Anlagen mit einer Kapazität von 4250 Megawatt errichtet werden. Bei vollem Wind erzeugen sie etwa so viel Strom wie vier Atomkraftwerke.

Ökostrom-Anteil wächst 2015 so rasant wie nie zuvor

Die Bundesregierung plant lediglich mit einem Ausbau von 2400 bis 2600 Megawatt Windkraft an Land pro Jahr. Im vergangenen Jahr wurden bereits Windräder mit einer Leistung von knapp 5000 Megawatt zugebaut. Auch der starke Wind in diesem Jahr und effizientere Anlagen haben die Strommenge nun in die Höhe getrieben.

Vor allem wegen der stark gestiegenen Windstrom-Menge wächst der Ökostromanteil im deutschen Strommix derzeit rasant wie nie zuvor. In diesem Jahr werden die erneuerbaren Energien 33 Prozent des deutschen Stromverbrauchs decken, erwartet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Im vergangenen Jahr waren es erst 27 Prozent.

Auf Platz drei des November-Stromrankings kam die Steinkohle mit 8,83 Terawattstunden. Dahinter folgen Kernkraftwerke (7,59), Biomasse (4,27), Gas (3,73), Wasser (1,36) und Solar (1,2). Auf Jahressicht liegt die Braunkohle vor Steinkohle, Kernkraft und Windenergie vorn.

An windigen Tag im November fuhren die Braunkohlekraftwerke ihre Leistung zum Teil um mehr als 50 Prozent zurück. "Braunkohle ist nun in der Lage, auf die Fluktuationen besser zu reagieren und damit auch kompatibler zu den Erneuerbaren", sagte Burger.

Der hohe Windstrom-Einspeisung stellt Netzbetreiber dennoch zunehmend vor Probleme. "Die Lage des Höchstspannungsnetzes bleibt angespannt", sagte der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, Urban Keussen, bereits in der vorvergangenen Woche.

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