Freitag, 1. Juli 2016

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Staatsfonds erwägt Kohleausstieg RWE und Eon bangen um ihren Top-Investor aus Norwegen

Braunkohlebagger im Rheinland: Norwegens Staatsfonds ist der zweitgrößte Anteilseigner an RWE

Erst die Schweden, jetzt die Norweger? Kaum verkauft Vattenfall das deutsche Braunkohlegeschäft, braut sich in Oslo etwas zusammen. Der mächtige Staatsfonds erwägt den Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle und könnte RWE und Eon auf die schwarze Liste setzen - neben Waffen- und Tabakfirmen.

Hamburg - Für den Normalfall gilt der norwegische Staatsfonds als treuer und genügsamer Aktionär. Die Manager des 623 Milliarden Euro schweren Finanzvehikels (Stand: Ende 2013) verwalten ein derart gigantisches Reich von Beteiligungen, dass sie kaum einen aktiven Investor darstellen können. Jüngsten Angaben zufolge halten die Skandinavier 1,25 Prozent aller Aktien weltweit und 2,5 Prozent aller Dividendenpapiere in Europa.

Doch die deutschen Konzerne RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen bekommen jetzt möglicherweise die unangenehme Seite der Nordmänner und -frauen zu spüren: Der Fonds überdenkt gerade sein Engagement bei Firmen aus der Öl-, Gas- und Kohlebranche - auch aus ethischen Gründen.

In Kürze will das Finanzministerium laut Financial Times (FT) bekannt geben, ob sich der Staatsfonds aus Unternehmen zurückzieht, die ihr Geld mit der Förderung oder Verbrennung dieser Rohstoffe verdienen und so den Klimawandel anheizen. Ähnlich ist der Fonds bereits mit Firmen aus der Waffen- und Tabakindustrie verfahren.

Norwegischer Staatsfonds ist zweitwichtigster Investor bei RWE

Macht Oslo Ernst, wäre der Fonds nach Vattenfall der zweite skandinavische Großinvestor binnen weniger Wochen, der sich aus der deutschen Kohleindustrie zurückzieht. Die Schweden haben gerade ihr Braunkohle-Geschäft in Brandenburg und Sachsen zum Verkauf gestellt.

Der norwegische Staatsfonds ist nicht irgendein Investor bei den deutschen Energieversorgern. RWE führt ihn als zweitgrößten Investor, mit einem Anteil von zuletzt 2,2 Prozent. Das entspricht einem Wert von 340 Millionen Euro.

An Eon hielten die Norweger zuletzt 2,11 Prozent (592 Millionen Euro) - Platz drei unter den externen Investoren. Davor lag noch die norwegische Regierung selbst mit einem 2,92-Prozent-Anteil an den Düsseldorfern (818 Millionen Euro). Zieht Oslo die Sache konsequent durch, stünde wohl auch dieser Anteil zur Disposition. Weiterhin hat der Fonds laut einer Studie von drei Umweltorganisationen Anleihen in dreistelliger Millionenhöhe an den beiden Versorgern sowie dem Karlsruher Versorger EnBW gezeichnet.

Für Eon und RWE wäre ein Ausstieg der Skandinavier äußerst schmerzhaft. Nicht nur, dass der Aktienkurs wohl einen Dämpfer bekäme. Wie bereits in der Heimat hätten RWE und Eon dann auch international ein Image als "schmutziges Unternehmen". Und das in einem Moment, wo zahlreiche weitere Fonds und Stiftungen den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle prüfen.

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