Mittwoch, 27. Juli 2016

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BMW-Großaktionär Stefan Quandt spricht über sein Batterieprojekt So will der Anti-Musk den Energiemarkt aufmischen

BMW-Großaktionär: Das Firmenimperium des Stefan Quandt
Fotos
Solarwatt / Guenther Reisp

Es kommt nicht oft vor, dass BMW-Großaktionär Stefan Quandt das Licht der Öffentlichkeit sucht. Hier eine Hauptversammlung des bayerischen Autobauers, dort eine Journalistenpreis-Verleihung - viel mehr Anlässe für den Kontakt mit der Außenwelt passen nicht zu der verschwiegenen Art, mit der der Milliardär sein Reich an großen und kleinen Beteiligungen regiert.

Doch für sein jüngstes Industrieprojekt macht der 49-Jährige eine seltene Ausnahme: Mit seiner lange angeschlagenen Dresdner Firma Solarwatt will Quandt ein neues Kapitel der deutschen Energiewende aufschlagen. Und so verfolgt der lange und schlanke Unternehmer bei der Münchener Speichermesse EES aus der ersten Reihe, wie seine Manager eine Batterie vorstellen, mit der sie die Stromwelt auf den Kopf stellen möchten.

Gekoppelt mit einer Solaranlage soll sie Strom billiger bereitstellen als vom Versorger. Hausbesitzer sollen so unabhängiger werden von RWE Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen und Co. Fachleute prophezeien der Technik einen Multimilliardenmarkt, und Quandt spielt nach ihrer Auffassung technisch weit vorn mit. Gelingt ihm mit der Batterie endlich mal wieder einer der großen unternehmerischen Coups, die seine Familie zur reichsten Sippe des Landes machten?

Das Solar-Trauma von 2012 wirkt noch nach

"Der Speicher ist der entscheidende Baustein für die Zukunft von Solarwatt", sagt Quandt am Rande der Präsentation gegenüber manager magazin online. Das lange auf Photovoltaik spezialisierte Unternehmen erholt sich noch von der schweren Krise, die 2012 in der Insolvenz mündete. Zu jener Zeit fegte die chinesische Billigkonkurrenz fast die gesamte deutsche Solarindustrie hinweg. Daraufhin übernahm Quandt, seit 1997 Aktionär, 90 Prozent der Anteile. Die Batterie muss jetzt den Erfolg bringen.

Das Timing für Quandts Akkuwette stimmt jedenfalls. Spätestens seit Tesla-Chef Elon Musk ebenfalls einen günstigen Speicher für den Hausgebrauch präsentiert hat, erwarten viele Analysten einen Umbruch am Energiemarkt: Die Zeit der großen Kraftwerke und Versorger wie RWE und Eon könnte ihrem Ende entgegen gehen, eine Epoche der dezentralen, auf erneuerbaren Quellen basierenden Energiewirtschaft beginnen.

Wenn Stefan Quandt mit seiner Dresdner Firma diesen Umsturz verkörpern soll, fällt die Revolution allerdings sehr friedlich aus. Worte wie Disruption sind ihm fremd, der Vergleich mit Musk ist ihm lästig. "Dass wir ungefähr zur selben Zeit mit einem Speicher an den Markt gehen, ist Zufall. Aber auch ein Indiz dafür, dass nicht nur wir in diesem Markt ein starkes Wachstum erwarten."

Den Ball flachhalten, die eigenen Manager in Ruhe machen lassen - diese Taktik hat Tradition im Hause Quandt. Und ist wohl auch eine Lehre aus dem ersten tragischen Versuchs mit Solarwatt. Doch geht die Strategie auf in einer Zeit, da die US-Konkurrenz zunehmend auf Personenkult setzt?

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