Montag, 20. August 2018

Hype um Teslas Batteriespeicher-Präsentation Bayerischer Mittelständler stiehlt Elon Musk die Show

Produkteinführung á là Tesla: Nun zeigt der Elektroautobauer der Welt seine neue Batterie.

US-Elektroautobauer Tesla plant mal wieder eine Revolution: Am späten Donnerstag Abend präsentiert das Unternehmen in Los Angeles seinen Batteriespeicher für Zuhause. Endlich gibt es eine Aufbewahrungsmöglichkeit für schwankend anfallenden Strom aus Solaranlagen, so die Botschaft. Tesla will die Energiebranche aufwirbeln und einen neuen Multimilliardenmarkt erschließen.

Die Fachwelt sowie praktisch alle großen US-Medien haben in den vergangenen Tagen ausführlich gerätselt, was genau Elon Musk im Sinn hat. Dessen per Twitter angeheizte PR-Strategie ist also erneut aufgegangen, in all dem Rummel verteuerte sich sogar Teslas Aktie.

Manche Beobachter fragen allerdings auch, was an Teslas Batterie überhaupt so revolutionär sein soll - schließlich sind bereits zahlreiche Firmen mit vergleichbaren Produkten am Markt. Vor allem in Europa, wo Strom teuer ist, gewinnt die Technik rasch an Boden. Hausbesitzer können mit selbst gespeicherter Elektrizität aus Solaranlagen und Blockheizkraftwerken viel Geld sparen.

"Wir machen diese Ankündigung weniger für die Presse, als für unsere Kunden"

Was Tesla kann, das können wir schon lange - das dachte sich offenbar auch der bayerische Mittelständler Sonnenbatterie, der hierzulande Marktführer ist. Und kündigte einen Tag vor Teslas großer Show ganz frech den Einstieg in den US-Markt an. Zusammen mit Sungevity, einem großen Installateur von Solaranlagen wollen die Allgäuer die amerikanischen Keller erobern, wie der "San Francisco Chronicle" erstaunt vermeldete.

"Tesla ist eine wunderbare Firma", gab sich Sungevity-Produktchef Peter Graf devot. "Wir machen diese Ankündigung weniger für die Presse, als für unsere Kunden", beteuerte er. Sein Unternehmen wolle dem Tech-Giganten aus Palo Alto keinesfalls die Show stehlen - und tat es doch.

Und so heizt die Ankündigung von Sonnenbatterie und Sungevity bereits Debatten in Fachportalen über eine mögliche Preisschlacht an. So meldet "Greentechmedia", das deutsch-amerikanische Duo sei wohl deutlich billiger als Tesla. Schon für 10.000 Dollar böten die Davids eine Solar-Batterie-Kombination an, während der Goliath allein für die Batterie 13.000 Dollar verlange. Allerdings fehlten in dem Bericht Angaben zur möglichen Größe der jeweiligen Produkte.

"Technisch wird Tesla keine bedeutende Überlegenheit haben"

Die Sache wirft ein Schlaglicht darauf, dass viele Fachleute an einer möglichen technischen Vorherrschaft von Tesla bei Hausbatterien zweifeln. "Technisch wird Tesla mit dem Produkt keine bedeutende Überlegenheit haben", erwartet etwa der Batterieexperte Andreas Gutsch vom Karlsruher Institut für Technologie. Der Rest der Branche sei höchstens wegen der Marketingmacht von Tesla beunruhigt. "Sie könnten auch versuchen, mit Kampfpreisen den Markt zu überrollen." Doch dafür scheinen die Wettbewerber gerüstet.

Wenn Tesla auf dieselben Batteriezellen setze wie in den Autos, sei dies sogar von großem Nachteil. Denn diese haben zwar eine hohe Energiedichte, verlieren aber nach 500 bis 1000 Ladezyklen deutlich an Kapazität. Bei Hausbatterien sind jedoch schon bald 5000 bis 10.000 Ladezyklen Standard.

Außer einer Hausbatterie will Tesla am Donnerstag Abend auch einen Mega-Akku präsentieren, mit dessen Hilfe Stromversorger das Netz stabilisieren können. Den Markt für diese Speicher taxiert das Analysehaus Navigant auf 68 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Für beide Produkte gewährt der Bundesstaat Kalifornien üppige Zuschüsse.

In Nevada baut Tesla derzeit eine gigantische Batteriefabrik. Dort sollen Akkus für die Autos, aber auch für stationäre Anwendungen entstehen. Das Unternehmen will 2020 etwa 500.000 Autos im Jahr bauen, 2014 waren es gut 30.000.

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