Samstag, 1. Oktober 2016

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Solarwatt-Chef über Stromspeicher als Energie-Revolution So lässt Solarwatt aus Sachsen Elon Musk abblitzen

Solardach: Seit Tesla seine Hausbatterie vorgestellt hat, mit der Verbraucher ihren Sonnenstrom selbst nutzen können, redet die Energie-Welt von einem Umbruch in der Branche. Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus sieht den Tesla-Angriff gelassen

mm: Herr Neuhaus, warum zur Hölle soll sich ein Hausbesitzer eine große Batterie in den Keller stellen?

Neuhaus: Unser Gerät ist gar nicht besonders groß, und von "stellen" kann keine Rede sein: Der Installateur hängt es an die Wand. Besitzer von Solaranlagen verbrauchen ihren Sonnenstrom dann ganz überwiegend selbst. So machen sie sich unabhängiger von ihrem Energieversorger und sparen Geld.

Detlef Neuhaus
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    Michael Tewes
    Detlef Neuhaus (Jahrgang 1964) ist seit 2012 Chef der Dresdner Energiefirma Solarwatt. Seit Jahrzehnten in der Haustechnik-Branche tätig, treibt er nun die relativ neue Speichertechnik voran - zusammen mit Solaranlagen und intelligenter Energiesteuerung. Das Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz von BMW-Erbe Stefan Quandt.
mm: Wie soll das gehen? Die kleinste Batterie ihrer Firma Solarwatt kostet 5500 Euro brutto.

Neuhaus: Wir bieten als erste Firma ein System, das sich ohne Subventionen lohnt. Legt man eine Standard-Solaranlage und ein typisches Verbrauchsverhalten zugrunde, dann kostet der Strom aus der Batterie 24 Cent pro Kilowattstunde - über eine 15-jährige Batterielaufzeit gerechnet. Versorger verlangen derzeit etwa 28 Cent.

mm: Selbst wenn das hinkommt und alle von Ihnen angenommenen Rahmenbedingungen zutreffen - ohne Batterie lohnt sich eine Solaranlage mehr als mit. Es gibt also streng genommen keinen ökonomischen Anreiz, die Batterie dazuzukaufen.

Neuhaus: Das kann so sein, weil es noch eine feste Einspeisevergütung für überschüssigen Solarstrom gibt, gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Aber es geht nicht für jeden potenziellen Kunden darum, den letzten Cent zu sparen. Eine Batterie macht auch unabhängiger. Wenn die Versorger ihre Preise erhöhen, betrifft das einen Speicherbesitzer weniger. Er kann seinen Strombedarf bis zu 80 Prozent selbst decken. Mit einer Solaranlage allein sind es vielleicht 20 Prozent.

mm: Auf den Kosten für die Stromnetze bleiben zunehmend die Verbraucher ohne solche Geräte sitzen. Eon-Chef Teyssen hat Strom-Selbstversorger deshalb einmal als "Schwarzbrenner" bezeichnet.

Neuhaus: Das sagen die richtigen! Natürlich entstehen Kosten, über die wir reden müssen. Auch bei den konventionellen Erzeugungsarten gibt es Kosten, die über Steuern auf die Bürger umgelegt werden und die im Vergleich deutlich größer sind. Solche provokativen Sätze sind die letzten Verhinderungstaktiken.

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