Sonntag, 22. April 2018

Siemens-Rivale räumt Fehler offen ein Warum General Electric jetzt doch auf "Fantasietechnik" setzt

Helme für Besucher eines GE-Windparks

Fehler im eigenen Unternehmen räumen Topmanager selten ein, doch Jérôme Pécresse vom Siemens-Rivalen General Electric Börsen-Chart zeigen (GE) macht da eine erfrischende Ausnahme. In der Stromerzeugung habe sich der Konzern zuletzt gründlich verschätzt, ließ der Chef der Erneuerbare-Energien-Sparte die "Financial Times" (FT) wissen.

"Als gesicherte Erkenntnis galt bei GE vor drei bis vier Jahren, dass die fossilen Technologien wachsen werden und Offshore-Windparks reine Fantasie sind", sagte Pécresse. Inzwischen habe sich die Lage völlig geändert. Für die Rotoren gebe es doch einen Markt.

Deshalb muss der US-Industriekonzern in dem Segment nun mächtig Druck erzeugen, damit der Marktführer und ewige Rivale Siemens Gamesa nicht vollends enteilt. Beide Konzerne suchen Antworten auf eine sich rasant wandelnde Energiewelt und schwächeln im Geschäft mit Gas- und Dampfturbinen.

Offshore-Windkraft gilt hingegen zusehends als reife Technik, die - kombiniert mit anderen erneuerbaren Quellen, Speichern und Backup-Kraftwerken - zum Rückgrat moderner Energiesysteme werden kann. Zu den Vorreiter-Ländern gehören Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Auf GEs Heimatmarkt, den USA, geht es mangels staatlicher Unterstützung hingegen kaum voran.

Und so setzte GE im vergangenen Jahr mit Windkraft auf See ganze 300 Millionen Dollar um. Siemens Gamesa erwirtschaftete allein im zweiten Halbjahr gut 1,8 Milliarden Euro im Offshore-Segment. Dazwischen liegen unter anderen noch MHI Vestas und Senvion.

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Vor allem Siemens hat früh und mit Nachdruck auf immer größere Windräder in der offenen See gesetzt. Deshalb stammen zwei Drittel aller weltweit installierten Hochsee-Rotoren aus dem Siemens-Reich Börsen-Chart zeigen. Nun, da die Technik zusehends ohne Subventionen auskommt, ernten vor allem Deutsche und Dänen Früchte des frühen Engagements.

Zwar ist das Geschäft angesichts von wachsendem Wettbewerbsdruck alles andere als ein Selbstläufer, doch angesichts einer steigenden Nachfrage mangelt es nicht an Projekten. Und da haben etablierte Bieter zunächst einen Vertrauensvorsprung.

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