Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Windanlagenbauer Senvion tauscht Vorstandschef aus Comeback des Jahres - Ex-Schaeffler-Chef Geißinger wird Wind-Unternehmer

So sehen sie aus: die Windanlagen von Senvion

Jürgen Geißinger, einer der agilsten deutschen Top-Manager des vergangenen Jahrzehnts, steigt nach Informationen von manager-magazin.de als Vorstandschef und Miteigner beim Hamburger Windanlagenbauer Senvion (ehemals Repower) ein. Am heutigen Donnerstag wird er bereits dem Top-Management vorgestellt, eine Wohnung in Hamburg habe er sich auch schon zugelegt, sagte er seinen neuen Kollegen.

Der 56-Jährige, der von 1998 bis 2013 den Wälzlager-Konzern Schaeffler der gleichnamigen Familie geführt hat und ihn durch die Fusion mit dem Dax-Konzern Continental zu einem der weltgrößten Auto-Zulieferer mit einem Gesamtumsatz von rund 45 Mrd. Euro ausgebaut hatte, bekommt einen mehrjährigen Vertrag und einen ordentlichen Anteil an Senvion. Dessen genaue Höhe war am Donnerstag zwar nicht zu ermitteln. Er würde Geißinger nach Informationen von manager-magazin.de allerdings im Fall eines erfolgreichen Weiterverkaufs Senvions zu einem sehr wohlhabenden Mann machen. Als Schaeffler-Chef hatte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur zuletzt jährlich rund 4 Mio. Euro verdient.

Erfolgsduo: Die Gesellschafterin der Schaeffler-Gruppe, Maria-Elisabeth Schaeffler, im April 2010 mit ihrem damaligen Chef Jürgen Geißinger
Die Personalie ist ein Coup für den bisherigen Alleineigentümer des Unternehmens, den Finanzinvestor Centerbridge. Dessen Senvion-Verantwortlicher und -Aufsichtratschef Stefan Kowski hatte über Wochen nach einem Nachfolger für Andreas Nauen (51) gesucht, der den Windenergie-Spezialisten seit dem 1. Juli 2010 geführt hatte und damals vom Konkurrenten Siemens kam.

Centerbridge hatte Senvion, das 2015 gut 2 Mrd. Euro umsetzte, erst im Januar von indischen Eigentümer Suzlon gekauft. Dessen Hauptaktionär Tulsi Tanti hatte einen weltweit operierenden Anbieter von Windenergie-Anlagen für Land und Wasser aufbauen wollen, sich mit dem Kauf der Hamburger im Jahr 2007 aber verhoben. Als entsprechend lukrativ galt der Kaufpreis für Centerbridge von rund 1 Mrd. Euro. Senvion kam im vergangenen Jahr auf einen Vorsteuergewinn von 92,5 Mio. Euro.

Geißinger soll das Unternehmen gleichzeitig deutlich wachsen lassen und deutlich profitabler machen. Schaeffler hatte er vor schon vor dem Kauf Continentals von einem Umsatz von 2 Mrd. Euro auf einen Umsatz von 12 Mrd. Euro gehievt. Mit den Senvion-Windturbinen soll Geißinger nun verstärkt auch außerhalb Deutschlands nach Absatzmärkten suchen, etwa in den Schwellenländern. Dies hatte Voreigentümer Tanti Senvion größtenteils untersagt, um den Erfolg seines Stammkonzerns Suzlon in diesen Märkten nicht zu gefährden.

Um größtmögliche Beweglichkeit etwa auch für Zukäufe zu bekommen, wollen Centerbridge und Geißinger in den kommenden Wochen einen Börsengang ausloten. Es gibt Vorgespräche mit mehreren Banken, ein Mandat ist allerdings noch nicht erteilt.

Senvion, einst Vorreiter bei Anlagen auf hoher See (offshore), ist der zweite deutsche Windanlagen-Hersteller, der innerhalb kurzer Zeit auf Angriff umschaltet. Jüngst hatte der ebenfalls in Hamburger angesiedelte Konkurrent Nordex die Fusion mit dem spanischen Anbieter Acciona bekannt gegeben und ein Umsatzziel bis 2018 von mindestens 4,5 Mrd. Euro ausgerufen. Susanne Klatten, über die von ihr finanzierte Gesellschaft Skion bis dato größter Aktionär von Nordex, wird an dem fusionierten Unternehmen nur noch einen Anteil von 5,7 Prozent halten, die Dachgesellschaft der Spanier 29,9 Prozent.

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