Montag, 24. September 2018

RWE und Eon zerlegen Ökostrom-Tochter Innogy-Notschlachtung markiert Ende der Energiekonzerne

Wird aufgeteilt: RWE-Tochter Innogy

Wer hätte das vor wenigen Jahren gedacht: RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen empfinden sich jeweils als zu klein, um als vollwertige Versorger in der Energiewirtschaft mitzuspielen. Doch in einer sich radikal wandelnden Branche kommt es nun genau so. Die Energieriesen von einst sind als solche endgültig erledigt und suchen ihr Heil als Spezialisten in Teilgebieten der Industrie.

DieNotschlachtung der RWE-Tochter Innogy ist die jüngste Konsequenz dieser epochalen Entwicklung. Sie begann mit dem deutschen Atomausstieg und setzt sich derzeit beispielsweise mit Eons Verkauf der Kraftwerkssparte Uniper Börsen-Chart zeigen fort oder auch mit Auktionen für Offshore-Windparks, bei denen die Gewinner keine Subventionen mehr verlangen.

Mit den einschneidenden Operationen an sich selbst gestehen RWE und Eon ein, dass sie keine überzeugenden Geschäftsmodelle als Antwort auf die Umbrüche in der Energiewelt finden. Anfangs unterschätzten sie die erneuerbaren Energien. Später wurde ihnen klar, dass sie mit Wind, Solar, intelligenten Stromzählern und Co. nicht so leicht Geld verdienen können wie mit Großkraftwerken in früheren Zeiten.

Innogy Börsen-Chart zeigen ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Eine neue Ausbau-Offensive bei erneuerbaren Energien sollte die RWE-Tochter ab 2016 zünden. Doch die Ergebnisse sind ernüchternd.

Desaströse Ökostrom-Bilanz von Innogy

Um ganze 3,7 Prozent ist Innogys Stromerzeugungskapazität im Windkraft-Bereich im ersten vollen Geschäftsjahr gewachsen. Und das in einem Boomjahr für die Rotoren: EU-weit stieg die Windkraft-Kapazität um 11 Prozent.

Wachstum wäre aber essentiell, wenn Innogy eine ernstzunehmende Größe bei erneuerbaren Energien hätte erreichen sollen. Denn 2018, im 18. Jahr (!) nach dem unter Rot-Grün verabredeten Atomausstieg erzeugen alle erneuerbaren Innogy-Anlagen zusammen im Jahr in etwa so viel Strom wie ein einziges Kernkraftwerk.

Doch auch in der Projekt-Pipeline von Innogy sieht es nicht eben rosig aus. Dies auch, weil in Europa inzwischen viele Windprojekte an Land und auf See ausgeschrieben werden. Der harte Bieterkampf bringt Gewinner hervor, die sich mit Billiggeboten langfristig Marktanteile sichern wollen. Das spielt Konzernen in die Hände, in denen der Staat eine wichtige Rolle innehat - wie Vattenfall (Schweden) oder Ørsted (Dänemark).

Richtiger Abschied vom Energiekonzern-Denken

Die kindliche Vorfreude, mit der Ex-RWE-Chef Peter Terium einst die neue Tochter in die schöne neue Energiewelt führen wollte, ist so dem Frust gewichen. Es ist nur logisch, dass RWE das kränkelnde Erneuerbaren-Geschäft mit den (größeren) Projekten aus dem Eon-Konzern verbindet.

Auf der anderen Seite gibt es kaum Gründe, das Netz- und Vertriebsgeschäft in beiden Konzernen eigenständig zu betreiben. Dass vor allem die Leitungen üppige Gewinne einbringen, ist auch keiner - denn unter einem Dach dürften diese noch weiter steigen.

Exzesse auf Kosten der Verbraucher müssen die Regulierungsbehörden in diesem Geschäft ohnehin verhindern. Im Kampf um Strom- und Gasendkunden wiederum stehen Eon Hunderte Wettbewerber gegenüber.

RWEs und Eons endgültiger Abschied vom eigenen Energiekonzern-Anspruch ist konsequent und richtig. Doch nun muss RWE zeigen, wie ein Großunternehmen in Zeiten der fortschreitenden Energiewende von der Stromproduktion leben kann.

Eon muss dasselbe mit Netzen und Vertrieb beweisen. Nur wenn das gelingt, werden die beiden Dax-Firmen den eigenen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit langfristig abwenden.

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