Freitag, 15. Dezember 2017

RWE lotet Verkauf aus Ökostrom-Konzern Innogy muss um Eigenständigkeit fürchten

Wolken am Himmel: Windenergie-Park Burbo Bank, der zum Teil indirekt Innogy gehört.

RWE spielt Insidern zufolge einen Verkauf von Anteilen seiner Ökostromtochter Innogy durch und stößt dabei auf das Interesse des italienischen Versorgers Enel. RWE Börsen-Chart zeigen checke die Möglichkeiten am Markt, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Beraten werde der Essener Energiekonzern bei der Suche nach strategischen Optionen von der Bank of America Merrill Lynch. "Wir haben ja schon mehrfach gesagt, dass wir mit einer Vielzahl von Markteilnehmern zu vielen Themen sprechen", sagte eine RWE-Sprecherin am Sonntag. Darüber hinaus gelte wie immer, dass der Versorger Marktgerüchte nicht kommentiere. RWE hält noch knapp 77 Prozent an Innogy, die am Markt rund 16,8 Milliarden Euro wert sind.

Enel schaue sich diese Option an, sagten Insider. Der italienische Versorger könne über seine spanische Tochter Endesa Innogy-Anteile erwerben, hieß es. Entschieden sei aber nichts. Eine Enel-Sprecherin betonte, der Konzern erhalte immer wieder von Banken Vorschläge. Dies bedeute aber nicht, dass Enel interessiert sei und Gespräche führe. Innogy lehnte eine Stellungnahme ebenso ab wie Endesa und die Bank of America Merrill Lynch.

Enel drücken Schulden von knapp 38 Milliarden Euro, daher könnten die Italiener den Deal über Endesa laufen lassen, sagten die Insider. Endesas Schulden belaufen sich auf 5,75 Milliarden Euro. Die Spanier könnten in einem ersten Schritt rund ein Drittel der Innogy-Anteile erwerben, sagten Insider. In einem zweiten Schritt könne RWE ein weiteres Drittel der Anteile gegen eine Beteiligung an Enel im Zuge einer Kapitalerhöhung der Italiener einbringen. Allerdings wäre nach deutschem Gesetz bei einer Übernahme von 30 Prozent eines Unternehmens ein Übernahmeangebot für alle Anteile fällig. Enel werde von JP Morgan beraten. Die Bank wollte dies nicht kommentieren.

Innogy gilt mit seinen Geschäften aus Erneuerbarer Energie, Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb als begehrtes Übernahmeziel in Europa. Der größte italienische Versorger Enel will in den Bereichen wachsen. Im Distributionsgeschäft sei Wachstum nur durch Fusionen und Übernahmen möglich, hatte Vorstandschef Francesco Starace kürzlich in einem Reuters-Interview gesagt. "Wir sind zu M&A verurteilt." Auf die Frage, ob Enel an Innogy interessiert sei, entgegnete der Manager, dass sich sein Konzern alles anschaue. "Das heißt aber nicht, dass wir kaufen werden", fügte er hinzu. Innogy sei ein großer Player im Distributions- und im Ökostromgeschäft, was prinzipiell eine interessante Kombination sei.

RWE hatte erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass es derzeit keine Notwendigkeit gebe, Innogy-Anteile zu verkaufen. Konzernchef Rolf Martin Schmitz hat eine weitere Veräußerung von Anteilen jedoch nicht ausgeschlossen. Im Gegenzug müsse RWE dafür aber etwas Besseres bekommen. Innogy habe für 2016 immerhin eine Dividendensumme von 680 Millionen Euro an den Mutterkonzern gezahlt. "So kann es Sinn machen, auf längere Sicht ein breiter gestreutes Finanzportfolio aufzubauen mit ähnlicher Renditeerwartung, als nur auf eine Gesellschaft zu setzen, was ein vernünftiger Rentenfonds auch machen würde", hatte er gesagt.

Mit einem Einstieg bei Innogy würde die lange erwartete Konsolidierung in der europäischen und deutschen Energiebranche an Fahrt gewinnen. Der finnische Versorger Fortum hat ein rund acht Milliarden Euro teures Übernahmeangebot für die frühere E.ON-Kraftwerkstochter Uniper vorgelegt. Im Frühjahr hatte Reuters von Insidern erfahren, dass RWE ein milliardenschweres Bündnis mit dem französischen Energieriesen Engie prüft. Dies sah vor, dass RWE im Gegenzug zum Verkauf von Innogy-Anteilen an dem französischen Versorger beteiligt wird. Engie-Chefin Isabelle Kocher hatte später erklärt, an einer Übernahme von Innogy nicht interessiert zu sein. Neben Engie und Enel habe RWE offenbar auch bei dem spanischen Versorger Iberdrola wegen Innogy vorgefühlt, sagte ein Branchenkenner.

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