Mittwoch, 21. November 2018

RWE-Generation-Chef Hartung "Die Braunkohle steht gewaltig unter Druck"

Braunkohlekraftwerk in Neurath: Für RWE Hoffnungsträger oder das nächste Milliardengrab?

Bei RWE ist nichts mehr wie es war: Selbst der Bau von Braunkohlekraftwerken sei inzwischen unwirtschaftlich, sagt Konzern-Manager Matthias Hartung. Angesichts der Misere setzt er auf verschärfte Sparprogramme - und den Staat.

mm.de: Herr Hartung, ein richtiges Powerhaus ist RWE Power nicht mehr. Ist die Braunkohle der letzte Rettungsanker?

Hartung: Die Geschwindigkeit der Energiewende hat alle überrascht. Mit 20 Milliarden Euro und mehr pro Jahr subventioniert Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Marktpreis für die Megawattstunde Strom hat sich in den vergangenen zwei Jahren bis heute auf rund 37 Euro fast halbiert. Daher steht die gesamte Branche gewaltig unter Druck. Das betrifft alle Energieträger, also auch die Braunkohle.

mm.de: Ihre Rolle als verlässlicher Lieferant von hohen Gewinnen hat sie bereits verloren. Wie geht es mit der Braunkohle weiter?

Hartung: Die Braunkohle wird ein wichtiger Energieträger bleiben. Sie sichert derzeit gut ein Viertel der deutschen Stromversorgung. Selbst bei einem Anteil der erneuerbaren Energien von bis zu 50 Prozent in 2030 muss die andere Hälfte durch Kohle und Gas bereit gestellt werden. Aber wir müssen ran an die Kosten, und zwar in allen Unternehmensbereichen. Mit Gründung der RWE Generation zu Beginn dieses Jahres haben wir den Erzeugungsbereich im Konzern neu aufgestellt. Wir wollen so schlanker und effizienter werden.

mm.de: Und wenn das nicht reicht? Immer wieder ist zu hören, RWE rechne einen Ausstieg aus der Braunkohle durch.

Hartung: RWE Börsen-Chart zeigen hält unverändert an der Fortführung des Tagebaus Garzweiler fest. Wir bedauern die Unsicherheiten, die anderslautende Spekulationen bei Menschen verursacht haben, die von der Umsiedlung betroffen sind. Wir sind von der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit der Braunkohle für die Energieversorgung des Landes mit ihrem wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit überzeugt.

mm.de: Welchen Anteil wird Braunkohle am deutschen Strommix im Jahr 2030 haben?

Hartung: Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Braunkohle im Stromerzeugungsmix der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2030 nur geringfügig unter dem heutigen Niveau liegen wird.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH