Mittwoch, 29. Juni 2016

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RWE-Investition in Photovoltaik Warum ist ausgerechnet England das neue Solarparadies?

Solarpark in Cornwall: Die Fotovoltaik boomt in Großbritannien - anders als in Deutschland

Noch vor Kurzem hielt RWE Solarenergie hierzulande für so sinnvoll wie Ananaszucht in Alaska. Nun baut der Versorger sogar im regnerischen Großbritannien ein großes Photovoltaik-Kraftwerk. Ausgerechnet das wolkenverhangene Königreich löst Deutschland derzeit als Solarvorreiter ab.

Essen/Oxford - Wie sich die Zeiten ändern: Anfang 2012 hatte die Chefetage des Essener Versorgers RWE nur Hohn und Spott für die Solartechnik über. So sinnvoll wie die Ananaszucht in Alaska sei die Photovoltaik in Deutschland, sagte Ex-Chef Jürgen Großmann.

Inzwischen hat der Dax-Konzern Gefallen an der alternativen Technik gefunden, weil das Kerngeschäft mit Großkraftwerken schwächelt. Großmann-Nachfolger Peter Terium träumt davon, Millionen Kunden dabei zu helfen, ihren Strom selbst zu erzeugen und zu verbrauchen. Nicht nur in Deutschland spielt die Solarenergie eine wachsende Rolle für RWE - sogar im regnerischen Großbritannien treibt das Unternehmen die Fotovoltaik voran.

RWE baut in der Grafschaft Oxfordshire einen Solarpark, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Auf einem stillgelegten Flughafen solle eines der größten britischen Freiland-Sonnenkraftwerke mit einer installierten Leistung von 37 Megawatt entstehen.

Der Park soll, wenn er im Spätsommer fertig ist, an einen börsennotierten Fonds verkauft werden. RWE treibt den Solarpark finanziell und technisch voran und tritt somit als Mittelsmann zwischen Projektentwickler und späteren Inhabern auf. Als Bauträger hat RWE das Solarunternehmen Conergy beauftragt.

Die Investition wirft ein Schlaglicht auf fundamentale Verschiebungen im Solarmarkt. Jahrelang bauten Investoren in Deutschland am meisten zu - dank üppiger Fördergelder und niedriger Installationskosten. Nachdem die Subventionen drastisch gekürzt wurden, verlor die Bundesrepublik 2013 ihre Spitzenposition an China und fiel auch hinter Japan und die USA zurück - Länder, in denen die Fotovoltaik derzeit einen Boom erlebt.

In Europa lag zuletzt ausgerechnet das wolkenverhangene Großbritannien vorn. Im ersten Quartal 2014 installierten Firmen und Privatleute Anlagen mit einer Kapazität von 1,1 Gigawatt - das entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks. In Deutschland waren es von Januar bis Februar 0,3 Gigawatt; der März dürfte kaum eine Trendwende nach oben gebracht haben, da die Fördersätze weiter gesunken sind.

In Großbritannien profitieren Investoren von etwas höheren und stabilen Fördersätzen. Auch bezuschussen die Stromkunden weiterhin große Solarparks wie den von RWE per Umlage - anders als in Deutschland, wo seit zwei Jahren bei zehn Megawatt Schluss ist.

Britische Versorger sind verpflichtet, einen bestimmten und wachsenden Anteil ihrer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien herzustellen. Je größer die Anlagen, desto günstiger lässt sich dieser Strom erzeugen - sogar billiger als in neuen Atomkraftwerken.

"Kann es überhaupt noch besser werden für die Solarenergie in Großbritannien?", fragt Analyst Finlay Colville vom Beratungsunternehmen NPD Solarbuzz. Als einen wichtigen Treiber macht er auch sinkende Preise für chinesische Solarmodule aus, nachdem sich die EU im Dumping-Streit geeinigt hatte.

Zudem sind die klimatischen Bedingungen gerade in Südengland sind nicht schlechter als in vielen Teilen Deutschlands, wie die Strahlungskarte zeigt. Gleichzeitig liegen die Kosten für Solaranlagen nicht höher als in Deutschland. Anders sieht es beispielsweise in Spanien aus. Dort ist das Wetter zwar besser geeignet für die Produktion von Solarstrom, doch Banken verlangen wegen der schwachen Wirtschaftslage höhere Zinsen.

mit dpa-afx

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