Mittwoch, 28. September 2016

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RWE streicht Dividende nach Verlust RWE-Chef bereitet Kommunen "schlimmste Alpträume"

Das ist nicht lustig: RWE-Vorstandschef Peter Terium streicht die Dividende quasi auf Null zusammen

Der Energieriese RWE hat vor dem geplanten Konzernumbau rote Zahlen geschrieben und mit einem weitgehenden Ausfall der Dividende seine Anleger verprellt. Die Aktie rauschte am Mittwoch 10 Prozent in den Keller, nachdem der Versorger für 2015 einen Nettoverlust von 200 Millionen Euro bekannt gab. Ursache hierfür war vor allem Wertberichtigungen auf Kohle- und Gaskraftwerke in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.

Lediglich die Inhaber von Vorzugsaktien erhalten eine Dividende von 13 Cent je Anteilsschein. Der Großteil der Anleger geht leer aus, nachdem sie im Jahr zuvor noch 1 Euro pro Papier bekommen hatten. Die Entscheidung sei notwendig, um das Unternehmen zu stärken, sagte Konzernchef Peter Terium.

Dividenden-Kürzung trifft auch Kommunen hart

Der Vorschlag in Sachen Dividende dürfte auch die Kommunen hart treffen, die knapp 24 Prozent an dem Versorger halten und in den vergangenen Jahren mit den Gewinnbeteiligungen ihre klammen Kassen entlastet hatten.

RWE hat nach eigenen Angaben lediglich 39 Millionen Vorzugsaktien, gegenüber 575,5 Millionen Stammaktien, für die es diesmal gar nichts gibt. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt", begründete Terium den Schritt.

Der Kämmerer der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, reagierte entsetzt auf den Vorschlag des Vorstands. "Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Für die auch wegen der Flüchtlingskrise angespannte Stadt fielen damit gut 18 Millionen Euro an eingeplanten Dividenden-Einnahmen weg.

Gewinne sollen im laufenden Jahr weiter fallen

Der RWE-Chef hatte auch für das laufende Geschäftsjahr keine guten Nachrichten. Das Betriebsergebnis werde 2016 bei 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro liegen, nachdem es bereits 2015 auf 3,8 von zuvor rund vier Milliarden geschrumpft ist.

Terium will unter anderem mit Kostensenkungen gegenhalten. Bis 2018 solle das laufende Programm Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro bringen, nachdem bislang bis 2017 zwei Milliarden eingeplant waren.

Terium will noch in diesem Jahr das Geschäft mit Ökostrom, Netzen und dem Vertrieb abspalten und 10 Prozent an die Börse bringen. Damit will er neue Investoren gewinnen. Die großen Versorger kämpfen mit dem Verfall der Strom-Großhandelspreise. Der Konkurrent Eon hatte in den ersten neun Monaten fast elf Milliarden Euro auf Kraftwerke und sein Öl- und Gasgeschäft abgeschrieben und einen Nettoverlust von 6,1 Milliarden Euro eingefahren. Eon und RWE legen ihre Bilanzen im März vor.

RWE: Brennende Fragen zum Neustart

rei/Reuters/dpa

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