Freitag, 16. November 2018

Schiedsspruch RWE im Preisstreit mit Gazprom erfolgreich

RWE-Tower in Essen: Rückzahlungen längst eingeplant

Nach jahrelangem Streit um fixe Gaspreise hat sich RWE gegen Gazprom durchgesetzt. Die Entscheidung des Schiedsgerichts, die RWE viele Millionen Euro spart, hatten die Essener schon zuvor in ihre Jahresprognose eingerechnet.

Essen - Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE ist nach jahrelangem Streit über die Preise des russischen Gasriesen Gazprom am Ziel. Ein internationales Schiedsgericht habe dem RWE-Antrag auf eine Änderung der Bezugsverträge weitgehend stattgegeben, teilt der Dax-Konzern mit.

Die Verträge müssen von der starren Koppelung an den Ölpreis gelöst werden. RWE kann nun mit deutlich niedrigeren Kosten für den eigenen Gasbezug kalkulieren. Zudem darf sich der Konzern auf eine hohe Nachzahlung von Gazprom freuen. An der Börse kam die Einigung am frühen Nachmittag gut an. Die Aktien von RWE Börsen-Chart zeigen drehten zwischenzeitlich ins Plus.

Welche Auswirkungen der Schiedsspruch auf das Jahresergebnis des Konzerns hat, ist noch unklar. Der Vorstand müsse nun zunächst die Details auswerten, erklärte eine RWE-Sprecherin. Zuletzt war über einen hohen dreistelligen Millionenbetrag spekuliert worden, den das Unternehmen als Kompensation für zu hohe Zahlungen seit Mai 2010 erwarten dürfte. Der Konzern kündigte an, "kurzfristig" über die finanziellen Folgen zu informieren. Das soll dem Vernehmen nach in der kommenden Woche sein.

Rückzahlungen bereits in der Jahresprognose enthalten

RWE hatte seit langem mit einem Erfolg gerechnet und die erwarteten Rückzahlungen bereits in die Jahresprognose einbezogen. Deshalb rechnet der Konzern trotz der Probleme wegen der Energiewende anders als Konkurrent Eon Börsen-Chart zeigen auch noch mit einem halbwegs stabilen Gewinn. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll bei rund 9 Milliarden Euro landen, nach 9,3 Milliarden 2012. Der nachhaltige Überschuss soll mit 2,4 Milliarden Euro etwa konstant bleiben. Mit anderen Lieferanten hatte RWE zuvor bereits verbesserte Bezugsverträge ausgehandelt.

RWE ist nun da, wo Eon schon seit einem Jahr ist. Die Düsseldorfer hatten ihren Streit über die Gasverträge mit Gazprom nach jahrelangem Ringen auf dem Verhandlungsweg geklärt. Die Koppelung des Gasbezugspreises an den Ölpreis hatte das Gasgeschäft für die europäischen Importeure wie Eon und RWE zu einem gewaltigen Verlustbringer gemacht.

Auf den Großhandelsmärkten war zuvor der Gaspreis unter anderem durch neu entdeckte Schiedergasvorkommen in den USA und einem größeren Zufluss von Flüssiggas stark ins Trudeln geraten. Um möglichst keine Kunden an Konkurrenten zu verlieren, musste Eon mit den Preissenkungen mitgehen. Das Gasgeschäft wurde defizitär.

krk/dpa

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