Mittwoch, 28. September 2016

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Klimawandel Rockefeller-Erben sagen Öl den Kampf an

Goodbye, Big Oil: Rockefeller-Nachfahre und Stiftungspräsident Stephen Heintz
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Goodbye, Big Oil: Rockefeller-Nachfahre und Stiftungspräsident Stephen Heintz

John D. Rockefeller baute mit Erdöl ein sagenhaftes Vermögen auf - seine Erben sagen sich von fossilen Brennstoffen los. Die Familie zieht sämtliche Gelder aus Konzernen ab, deren Geschäftsmodell das Klima zerstört. Andere Reiche ziehen mit, es geht um 50 Milliarden Dollar.

Hamburg - Er war die Legende der industriellen Revolution in den USA schlechthin: John D. Rockefeller. Wie kaum ein anderer profitierte der Unternehmer im 19. Jahrhundert vom Siegeszug des Rohstoffes Erdöl. Sein Konzern Standard Oil machte Milliarden mit Raffinerien und Förderrechten, bis der Staat den Riesen wegen seiner Monopolstellung zerschlug.

Vom Reichtum der Rockefellers ist bis heute dennoch viel geblieben. Ein Teil befindet sich in den Händen seiner Nachkommen, die das Geld im 860 Millionen Dollar schweren Rockefeller Brothers Fund verwalten.

Von Erdöl wollen sie allerdings nicht mehr viel wissen: Heute verkünden die Rockefellers in New York, dass ihre Stiftung ihr Geld aus Firmen abzieht, deren Geschäftsmodell auf fossilen Brennstoffen beruht, berichtet die "New York Times".

Das sei ganz im Sinne des Vorfahren, betonen die Nachkommen. "Wir sind sehr davon überzeugt, dass er als kluger und der Zukunft zugewandter Geschäftsmann heute den fossilen Energien den Rücken zuwenden und in erneuerbare Energien investieren würde", teilte Stiftungs-Präsident und Rockefeller-Nachkomme Stephen Heintz mit.

Laut den Erben geht es nicht nur um die moralische Verpflichtung, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Die großen Energiemultis steuerten schweren Zeiten entgegen, das Investment sei daher riskant, sagte Stiftungsverwalter Steven Rockefeller. Sie hätten Rechte für Energievorräte erworben, die sie gar nicht mehr verwerten dürfen, wenn die Welt mit dem Klimaschutz ernst macht. Rockefeller zielt damit auf die These einer gewaltigen "Carbon Bubble" ab, die bald platzen werde.

Zahlreiche andere Stiftungen und Milliardäre ziehen Geld ab

Die Rockefellers befinden sich mit ihrem Schachzug in großer Gesellschaft. Allein heute wollen zahlreiche Stiftungen und Milliardäre verkünden, dass sie ihr Geld aus fossilien Energien abziehen. Laut "New York Times" geht es um die Summe von 50 Milliarden Dollar, die aus Firmen wie BP, ExxonMobil oder Shell abgezogen werden sollen.

Derartige Aktionen erreichen stetig größere Dimensionen, sogar der ölbasierte norwegische Staatsfonds erwägt ein Desinvestment. Die Wirkung solcher Maßnahmen ist allerdings umstritten. Zwar sinken theoretisch Aktienkurs und Bonität der Unternehmen, wenn massenhaft Anleger aus ethischen Gründen abspringen. Der Attraktivität ihrer Geschäfte tut es allerdings keinen Abbruch.

Manche Institutionen wie die Harvard University erteilten der Divestment-Bewegung deshalb eine Absage. Sie wollen ihre Anteile nutzen, um die Konzerne von innen zum Umdenken zu bewegen.

In New York haben gestern Hunderttausende Menschen für mehr Klimaschutz demonstriert. Ab morgen treffen 120 Staats- und Regierungschefs in der Metropole zusammen, um über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Erderwärmung zu beraten.

mit rtr

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