Donnerstag, 21. September 2017

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Reaktionen Grüne fürchten Eon-Bad-Bank

Grünen-Politikerin Höhn: erheblichen Risiken

Die Grünen sehen erhebliche Risiken bei der Eon-Aufspaltung. "Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss", sagte Energieexpertin Höhn.

Düsseldorf/Berlin - Die Grünen warnen beim radikalen Umbau des Energiekonzerns Eon Börsen-Chart zeigen vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler. "Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss", sagte die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lobte die Pläne, Eon-Rivale RWE Börsen-Chart zeigen gab sich zurückhaltend.

Eon will seine Geschäfte mit Atom, Kohle und Gas in eine neue Gesellschaft abspalten und später an die Börse bringen. Die Eon-Aktie kletterte ob des Vorhabens an die Dax-Spitze. Eon-Chef Johannes Teyssen zeigte sich auf einer Pressekonferenz zuversichtlich, dass der Konzern trotz Abspaltung im deutschen Leitindex bleiben werde.

Der Begriff "Bad Bank" stammt aus der Finanzkrise - damals lagerten Banken faule Kredite in Milliardenhöhe in Gesellschaften aus. Höhn glaubt, dass diese Gesellschaft nicht genug Gewinn machen würde, um den Rückbau und die Entsorgung der still gelegten Atommeiler vollständig zu finanzieren.

RWE lehnt eigene Aufspaltung ab

Der hochverschuldete RWE-Konzern will der Energiewende nicht mit einer Aufspaltung begegnen. "Wir wollen unseren Konzern weiterhin entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufstellen", sagte eine Sprecherin. Der RWE-Vorstand sei überzeugt, durch Optimierungen wieder Tritt fassen zu können.

RWE macht die Energiewende wie Eon und zahlreichen Stadtwerken schwer zu schaffen. Durch den Ausbau des Ökostroms aus Sonne und Wind werden die Kohle- und Gaskraftwerke immer häufiger aus dem Markt gedrängt. Zugleich fallen die Preise an den Strombörsen.

RWE hatte 2013 nach hohen Abschreibungen auf seine ausländischen Kraftwerke mit einem Fehlbetrag von fast drei Milliarden Euro abgeschlossen - der höchste Verlust eines börsennotierten Versorgers in Deutschland überhaupt.

Gabriel sieht Versorgungssicherheit gewährleistet

Gabriel nannte den Eon-Umbau konsequent und chancenreich. "Mit seiner Entscheidung stellt sich Eon konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer völlig gewandelten Welt der Energieversorgung", sagte der SPD-Politiker der "Rheinischen Post". "Das schafft durchaus neue Chancen."

Für Verbraucher sieht Gabriel keine Gefahr. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, sagte eine Sprecherin des Ministers. Zudem müsse nach einer Aufspaltung der neue Eigentümer der Atomkraftwerke sicherstellen, dass ausreichend Rückstellungen für deren Abbau und Entsorgung vorhanden sind. Die Regierung gehe davon aus, dass dies der Fall sei, sagte die Sprecherin. Derzeit seien dafür 36 Milliarden Euro vorhanden.

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ts/dpa-afx

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