Donnerstag, 21. Juni 2018

Leiter der RAG-Stiftung schwer erkrankt Ex-Minister Werner Müller legt Ämter nieder

Werner Müller: Der Vorsitzende der RAG-Stiftung und Aufsichtsratschef von Evonik übergibt aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter an Bernd Tönjes

Der ehemalige Wirtschaftsminister Werner Müller, aktuell Vorsitzender der RAG-Stiftung und Aufsichtsratschef von Evonik, tritt aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern zurück. Müller werde am 24. Mai auch aus dem Aufsichtsrat des Chemiekonzerns Evonik ausscheiden, an dessen Spitze er seit Dezember 2012 steht, teilte die RAG-Stiftung am Mittwoch mit. Die Stiftung hält rund 68 Prozent der Evonik-Aktien.

"Meine schwere Erkrankung erlaubt es mir leider nicht mehr, meinen Verpflichtungen in der Stiftung und in den Aufsichtsräten weiter nachzukommen", begründete Müller seine Entscheidung. Nachfolger an der Spitze der Stiftung soll der Chef des Kohlekonzerns RAG, Bernd Tönjes, werden.

Tönjes soll bei der Hauptversammlung von Evonik am 23. Mai zum neuen Aufsichtsratschef gewählt werden und am 24. Mai sein Amt als Evonik-Chefkontrolleur antreten.

Müller war von 1998 bis 2002 Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. 2003 wechselte er zurück in die Wirtschaft auf den Vorstandsposten der Ruhrkohle AG (RAG).

Die milliardenschwere RAG-Stiftung ist unter anderem dafür zuständig, dass nach der Beendigung des Bergbaus Ende 2018 die dauerhaften Folgekosten nicht von der öffentlichen Hand bezahlt werden müssen. Die Einnahmen der Stiftung stammen zu einem großen Teil von der börsennotierten Evonik.

Ausstieg aus dem Bergbau - ohne Kündigungswellen

Der 71-jährige Müller ist Volkswirt und promovierter Sprachwissenschaftler - ein Intellektueller im korrekten Dreiteiler, der viele Jahre an der Spitze des deutschen Steinkohlebergbaus stand. Der Essener Ex-Bundeswirtschaftsminister hat für die Malocher-Branche Bergbau viel geleistet: Als die Arbeit unter Tage unrentabel geworden war, wies er den Kumpeln über eine Stiftungslösung den Weg zum Ausstieg ohne Massenproteste und dramatische Kündigungswellen. 2007 wurde das per Gesetz festgeschrieben. Der Endpunkt der Entwicklung wird das Förderende in Deutschlands letzten beiden Bergwerken im Dezember 2018 sein.

Die RAG-Stiftung, die unter anderem aus den Evonik-Erlösen finanziert wird, deckt nicht nur die dauerhaften Lasten des Bergbaus nach 2018 ab. Sie fördert auch die Kultur im Ruhrgebiet - Müllers großes Faible. Vor allem das Bergbaumuseum in Bochum - das größte seiner Art weltweit - profitiert davon. Dass der Bergbau mit Würde geht, ist Müller ein persönliches Anliegen: Unter dem Motto "Glückauf Zukunft" hat er für 2018 eine Fülle von Abschiedsaktionen angeschoben - als Höhepunkt eine große internationale Abschiedsfeier.

mmo/dpa/reuters

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