Samstag, 27. August 2016

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Fracking-Boom droht der Exitus "Amerika wird den Ölpreis-Krieg verlieren"

Ölförderung in Kalifornien: Entwickelt sich der Fracking-Boom in den USA zur Blase?

Wer hoch fliegt, stürzt besonders krachend ab: Dieses Schicksal droht gerade der US-Frackingindustrie. Der dramatisch fallende Ölpreis zwingt bereits erste Firmen zur Aufgabe. Die Konkurrenz in Arabien und Russland schaut grinsend zu.

Hamburg - Wer kollabiert als erstes? Seit knapp einem halben Jahre sinkt der Ölpreis dramatisch, und für die Rohstoffproduzenten wird die Lage zusehends ungemütlich.

Russlands Staatshaushalt droht aus dem Gleichgewicht zu geraten, Norwegens Statoil-Konzern meldet erstmals seit Menschengedenkeneinen Verlust, und das von der Staatspleite bedrohte Venezuela sucht bereits nach neuen Verbündeten im "Ölkrieg", wie Staatschef Nicolás Maduro die Lage nennt.

Könnten am Ende die Ölfirmen aus den USA der größte Verlierer sein? So sieht es eine beträchtliche Zahl von Branchenkennern, darunter Bloomberg-Autor Leonid Bershidsky. "Amerika wird den Ölpreis-Krieg verlieren", schreibt er.

Sein wichtigstes Argument: Während in den Opec-Ländern, aber auch in Russland der Staat seine schützende Hand über die Ölindustrie hält, sind die US-Unternehmen dem freien Markt ausgesetzt.

Für Regierungen in Riad oder Moskau sei es sogar erforderlich, bei einem niedrigen Ölpreis mehr von dem schwarzen Gold aus der Erde zu pumpen, um Einnahmen zu erzielen und Marktanteile zu sichern. Schwierige Phasen wie den derzeitigen Preisverfall könnten diese Produzenten mit Hilfe des Staates erfolgreich aussitzen. Ganz nebenbei bluten sie dabei die Ölproduzenten aus, die sich am Markt finanzieren müssen.

Wie zum Beispiel die privaten Firmen in den USA. Im Zuge des Fracking-Boom sind dort kleine und mittlere Förderfirmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Mit Wasser, Sand und Chemikalien sprengen sie auf teure Weise den Schieferstein auf und pressen das Öl heraus.

Sie haben sich hoch verschuldet, um immer weiter zu bohren. Nur so können sie verhindern, dass ihre Einnahmen wegbrechen, denn gefrackte Ölquellen versiegen relativ schnell.

Diese Produzenten sind also auf einen konstant hohen Kapitalrückfluss dringend angewiesen, um die Gläubiger zu befriedigen. Wenn der Ölpreis sinkt und sie kein Geld mehr zum Bohren haben, geht bei ihnen das Licht aus. Ein erstes Beispiel war vor einigen Tagen die Firma WBH Energy.

"Das finanzielle Debakel, das Russland bereits erfasst hat, dürfte die US-Schieferölindustrie 2015 erreichen", schreibt Bershidsky. Der Preis habe bereits ein Niveau erreicht, bei dem die Produktion in den kommenden Monaten einbrechen dürfte.

Darauf deuten inzwischen auch die offiziellen Daten der US-Energiebehörde EIA hin. Demnach sinkt die US-Produktionsmenge bereits ab dem Frühjahr, weil die Förderkosten einfach zu hoch sind. Die Opec und Russland könnten das Fracking-Blutbad grinsend beobachten - und abwarten, wie sich der Ölpreis auf diese Weise wieder stabilisiert.

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