Donnerstag, 30. Juni 2016

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Weniger Investitionen Eni-Chef rechnet mit Ölpreis von 200 Dollar

Iranische Öltanker vor Singapur: Derzeit bunkern viele Händler Öl in den gigantischen Schiffen und hoffen auf bessere Preise

Angesichts des niedrigen Ölpreises fahren die Rohstoffkonzerne ihre Investitionen in neue Förderprojekte drastisch zurück. Der Chef des italienischen Energieunternehmens Eni warnt, dass die nächste Knappheit schon bevorsteht - mit dramatischen Folgen.

Davos/New York - Das Überangebot von Öl wächst und wächst: Nach einem überraschend starken Anstieg der Rohölbestände in den USA sind die Ölpreise sind am Donnerstag weiter gefallen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Nachmittag 48,42 US-Dollar, 61 Cent weniger als am Mittwoch. Nach Daten des US-Energieministeriums waren die Bestände so groß wie seit mindestens 80 Jahren nicht mehr.

Da mutet es zunächst unverständlich an, dass der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni vor einem Anstieg der Ölpreise auf 200 Dollar warnt. Seine Befürchtung: Wenn die Investitionen in neue Projekte wegen des aktuellen Preisverfalls deutlich gesenkt würden, werde in vier bis fünf Jahren nicht mehr genügend gefördert, sagte Claudio Descalzi.

Er forderte zugleich die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auf, die Fördermenge zu drosseln. Die Opec hatte im November beschlossen, dies trotz des Preisverfalls nicht zu tun.

Die Energiekonzerne leiden unter einem Überangebot von Öl, unter anderem wegen des Schiefergas-Booms in den USA. Gleichzeitig schwächelt die Nachfrage.

Seit Juni sind die Ölpreise um fast 60 Prozent gefallen. Nach Descalzis Ansicht ist deswegen die Opec gefragt. "Wir brauchen Stabilität. Die Opec ist wie eine Zentralbank für Öl." Sie müsse die Preise stabilisieren, damit die Firmen normal investieren können, sagte der Chef des Agip-Mutterkonzerns.

Auch der französische Konkurrent Total warnte, dass eine Reduktion der Investitionen zum Problem werden könnte. Die Kapazität von Förderstätten in der ganzen Welt nehme jährlich um 5 Prozent ab, sagte Konzernchef Patrick Pouyanne.

Bis zum Jahr 2030 werde deswegen die Hälfte der Produktion ausfallen. Um dies auszugleichen, müsse viel Geld investiert werden. "Die Preise werden wieder steigen", sagte der Manager.

Auch Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri prognostizierte, der Ölpreis werde wieder zulegen. "Wir kommen sehr bald wieder auf das normale Niveau." Wenn die Opec-Länder die Produktion gedrosselt hätten, wären andere Staaten eingesprungen und hätten mehr Öl auf den Markt gebracht, sagte er in Davos. Die Opec wäre dann gezwungen gewesen, erneut weniger zu fördern.

nis/rtr/dpa-afx

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