Montag, 18. Dezember 2017

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Zukunft der Ökoenergie Warum Wind- und Solarstrom bedroht sind

Kompliziertes Zusammenspiel: Wind- und Kohlekraft

2. Teil: "In dem Markt von heute wird kein Erzeuger von Erneuerbaren Geld verdienen"

Am Terminmarkt dagegen spielen die Erneuerbaren kaum eine Rolle. Hier folgt der Preis im langfristigen Mittel weitgehend dem der Steinkohle (siehe Grafik). Das liegt am speziellen Marktmechanismus: Entscheidend für die Höhe des Strompreises ist immer das letzte Kraftwerk, das vom Netzbetreiber zugeschaltet werden muss, um den aktuellen Strombedarf zu decken.

Im Gleichschritt: Strompreisentwicklung (Base) und Grenzkosten Kohlekraftwerk in Euro pro Megawattstunde
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Im Gleichschritt: Strompreisentwicklung (Base) und Grenzkosten Kohlekraftwerk in Euro pro Megawattstunde

Als Erstes wird der am billigsten produzierte Strom eingespeist, meist Atomkraft, dann folgen die jeweils teureren Kraftwerkstypen - Braunkohle, Steinkohle, Gas und schließlich Öl. Das letzte und damit teuerste noch benötigte Kraftwerk wird dabei so vergütet, dass es gerade noch kostendeckend arbeitet - und auch alle anderen Kraftwerke, die zu diesem Zeitpunkt am Netz sind, erhalten diesen Preis, obwohl sie eigentlich günstiger produzieren. In den vergangenen Jahren waren meist Steinkohlekraftwerke ausschlaggebend für den Preis, während die klimafreundlicheren, aber teureren Gaskraftwerke stillstanden.

Werden nun im Zuge der Energiewende Kohlekraftwerke ab- und Gaskraftwerke vermehrt zugeschaltet, wird der Preis an den Terminmärkten voraussichtlich steigen.

Das ist das nächste Paradox: Obwohl der Ausbau der Erneuerbaren rasant fortschreitet und obwohl so viel günstiger Strom zur Verfügung steht wie noch nie, dürfte der Börsenpreis anziehen.

"Die Börse bildet nur die Kosten für die Energieerzeugung ab. Investitionen, etwa in den Bau von Windrädern oder Kraftwerken, sind im Preis nicht berücksichtigt", erläutert Energieexperte Matthes. Das heißt: In einer Welt, in der es nur noch Erneuerbare gibt, tendiert der Strompreis gegen null. Denn weil Wind- und Solarstrom anders als konventionelle Kraftwerke keinerlei Brennstoffe verbrauchen und auch keine Schadstoffe ausstoßen, produzieren sie Energie nahezu ohne laufende Kosten. "Unter diesen Bedingungen werden sich erneuerbare Energien nie selbst refinanzieren können", sagt Matthes. "In dem Markt, den wir heute haben, wird kein Erzeuger von Erneuerbaren Geld verdienen."

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