Sonntag, 25. Februar 2018

Energiewende-Ziel viel früher erreicht als geplant Windkraft-Ausbau katapultiert Ökostrom-Anteil auf 33 Prozent

Windkraft auf den Vormarsch: Der schnelle Ausbau der Rotoren lässt den Anteil von Ökostrom im Netz steigen

Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix wächst deutlich schneller als von der Bundesregierung vorgesehen. Im ersten Halbjahr 2015 sprang der Ökostromanteil am Bruttoinlands-Stromverbrauch auf knapp 33 Prozent, wie manager magazin online zunächst aus Branchenkreisen erfuhr und der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) später bestätigte. Ende 2014 lag der Anteil noch bei 27,8 Prozent.

Die Bundesregierung plant mit einem Ausbau auf 40 bis 45 Prozent Ökostrom für das Jahr 2025. Demnach müssten 35 Prozent erst etwa 2020 erreicht werden, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft errechnet hat. Dieses Ziel rückt nun schon fünf Jahre früher in greifbare Nähe.

In den ersten sechs Montaten des laufenden Jahres trug vor allem die Produktion aus Windkraftanlagen zu dem satten Plus bei. Diese stieg laut Berechnungen des Freiburger Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme (ISE) um 40 Prozent auf 40,6 Terawattstunden.

Windräder drosseln Braunkohlekraftwerke

Die Erzeugung aus sämtlichen anderen Stromquellen veränderte sich dem ISE zufolge weniger stark. Die Stromproduktion aus Braunkohlekraftwerken ging um 3,6 Prozent zurück. "Insbesondere bei hoher Windeinspeisung während der Orkantiefs Elon, Felix und Niklas mussten sie ihre Leistung drosseln", schreibt ISE-Forscher Bruno Burger in einer Analyse, die manager-magazin.de exklusiv vorliegt.

Steinkohlekraftwerke drosselten ihre Produktion 2015 demnach bisher um ein Prozent, Gaskraftwerke um 1,5 Prozent. Solaranlagen erzeugten laut ISE 4,3 Prozent weniger Strom. Zulegen konnten außer der Windenergie die Wasserkraft (plus zehn Prozent) und die Kernenergie (plus 2,8 Prozent).

Im vergangenen Jahr hatte es ein Rekordwachstum bei der Windenergie gegeben, das sich nun in der stärkeren Stromproduktion niederschlägt. Insgesamt wurden 2014 Windräder mit einer Leistung von netto knapp 5000 Megawatt zugebaut, davon 500 Megawatt auf See. Die neuen Anlagen liefern bei starkem Wind zusammen so viel Strom wie etwa fünf Atomkraftwerke. Die Bundesregierung plant lediglich mit einem Ausbau von 2400 bis 2600 Megawatt Windkraft an Land pro Jahr.

Ein weiterer Grund für die stark gestiegene Stromerzeugung aus Windkraftanlagen ist das im Vergleich zu 2014 etwas stürmischere erste Halbjahr. Die Orkane steigerten die Leistung der Rotoren auf zeitweise bis zu 33.500 Megawatt.

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