Montag, 20. November 2017

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Energiewende-Ziel viel früher erreicht als geplant Windkraft-Ausbau katapultiert Ökostrom-Anteil auf 33 Prozent

Windkraft auf den Vormarsch: Der schnelle Ausbau der Rotoren lässt den Anteil von Ökostrom im Netz steigen

2. Teil: Zubau der Windkraft geht in Rekordtempo weiter

Fachleute gehen davon aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix in diesem Jahr konstant bleibt oder sogar weiter wächst. "Der weitere Ausbau der Windkraft wird sich bemerkbar machen", sagte BEE-Referent Björn Pieprzyk gegenüber manager-magazin.de.

Tatsächlich rechnet der Bundesverband Windenergie (BWE) damit, dass sich das rasante Wachstum der Rotoren im laufenden Jahr fortsetzt und sich im zweiten Halbjahr sogar noch beschleunigt. "Wir gehen bei Wind an Land von einem weiter dynamischen Zubau aus, so dass unsere Prognose, die wir für 2015 mit 4250 MW angegeben hatten, erreicht wird", sagte ein BWE-Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Stromexporte legen deutlich zu

Bei der Windkraft auf See rechnet der Verband darüber hinaus mit 2000 Megawatt neu gebauter Leistung in diesem Jahr, was die Ökostrommenge weiter deutlich erhöhen könnte. "Die Mehrzahl der 2015 installierten Anlagen geht über den Sommer ans Netz, so dass der Zubau Offshore 2015 im ersten Halbjahr noch keinen nachhaltigen Einfluss auf die EE-Menge im Strommarkt hatte", sagte der BWE-Sprecher.

Der starke Ökostrom-Zuwachs hat zugleich offenbar die deutschen Stromexporte angeheizt. Den ISE-Forschern zufolge legten die Ausfuhren im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 24,5 Terawattstunden zu, das entspricht etwa der Produktionsmenge von vier großen Kernkraftwerken.

"Der Großteil der Exporte floss in die Niederlande, die einen Teil auch nach Belgien und Großbritannien weiterleitet", heißt es in der Analyse von ISE-Forscher Burger. Auf Rang zwei folgt demnach Österreich, das auch als Transitland zur Schweiz dient.

Gaskraftwerke im Ausland stehen still

Damit spitzt sich ein grundlegendes Dilemma der Energiewende zu: Die Ökostromproduktion wächst rasant, aber dennoch laufen konventionelle Kraftwerke oft weiter und bedienen Märkte im Ausland. Dort stehen dann vor allem vergleichsweise saubere Gaskraftwerke still.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte zuletzt versucht diesen Trend mit einer Extra-Abgabe für alte Braunkohlekraftwerke zu stoppen. Auf diese Weise sollte der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland um 22 Millionen Tonnen sinken.

Nach heftigem Protest aus der Energiewirtschaft hat Gabriel diesen Plan nun offenbar fallen gelassen. Stattdessen sollen einzelne Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen und die Betreiber dafür eine Entschädigung erhalten. Am Mittwoch wollen die Koalitionsspitzen endgültig entscheiden.

Anmerkung: In einer früheren Version der Meldung hieß es, der Ökostrom-Anteil betrage 34 Prozent. Diese Angabe hatte die Quelle von mm online zwischenzeitlich korrigiert.

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