Freitag, 27. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Top-Investor findet Stromerzeugung zu dreckig Norwegens Staatsfonds drängt RWE zu Kohleausstieg

Braunkohle-Tagebau im Rheinland: Ein führender RWE-Investor fragt sich, ob der Energieträger ein Geschäftsrisiko für den Versorger darstellt

Im Kampf um die Braunkohle ist RWE Börsen-Chart zeigen sturmerprobt: Egal ob Umweltschützer, grüne Politiker oder Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Nutzung des klimaschädlichen Energieträgers eindämmen wollen - bisher gelang es dem Essener Stromversorger recht gut, die Angriffe auf eine seiner letzten Gewinn-Bastionen abzuwehren.

Doch nun wächst der Druck aus den eigenen Reihen, namentlich von einem der wichtigsten Aktionäre. Kein geringerer als der 800 Milliarden Euro schwere norwegische Staatsfonds hat von RWE per Brief eine Erklärung gefordert, wie und wann der Versorger aus der Kohle auszusteigen gedenkt.

Der Grund: Aus Sicht der Norweger könnte der hohe Anteil des kohlendioxidintensiven Energieträgers am RWE-Geschäft die Zukunft des Versorgers gefährden.

Staatsfonds-Chef Yngve Slyngstad: Oslo macht Druck
Der norwegische Staatsfonds verlangt derzeit von den Konzernspitzen der wichtigsten Versorger in seinem Portfolio "strategische Pläne bezüglich des Wandels zu einem weniger emissionsintensiven Energiesystem", wie eine Sprecherin des Fonds gegenüber manager magazin bestätigte. "Speziell erbitten wir die Strategie und den Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohle für die Stromerzeugung." Auch Eon Börsen-Chart zeigen soll sich erklären.

Die Norweger waren zuletzt mit knapp 2 Prozent an RWE beteiligt. Damit ist der Staatsfonds einer der wichtigsten Aktionäre des Versorgers.

Im Portfolio des Fonds wiederum ist RWE unter den zehn größten Versorgern derjenige mit dem höchsten Kohleanteil (61 Prozent), wie aus seinem jüngsten Report mit dem Titel "Verantwortungsvoll investieren" hervorgeht. Zudem weist RWE den Angaben zufolge den zweitniedrigsten Anteil an erneuerbaren Energien auf (6 Prozent).

Die Norweger sehen die Förderung und Verbrennung von fossilen Energieträgern zunehmend kritisch. Der hohe Ausstoß von Kohlendioxid mache besonders Firmen aus der Kohlebranche angreifbar. Ähnliche Gründe hatten zuletzt den schwedischen Versorger Vattenfall dazu bewogen, das deutsche Braunkohlegeschäft zum Verkauf zu stellen.

Auch weltweit werden Stimmen lauter, die vor Investitionen in fossile Energieträger warnen. Es sei schlicht unmöglich, diese vollständig zu nutzen und gleichzeitig katastrophale Folgen der Erderwärmung zu verhindern. Deshalb würden die Staaten früher oder später drastisch intervenieren. Ein Großteil der Rohstoffe seien deshalb faktisch wertlos. Zuletzt hatte so unter anderem die Bank of England argumentiert.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH