Montag, 18. März 2019

Erneuerbare Energien Solarindustrie läutet neuen Boom ein

Solaranlagen-Installation in Baden-Württemberg: Der deutsche Markt schrumpft, doch weltweit steht die Solarenergie vor einem Boom

Drastisch gefallene Preise für Fotovoltaikanlagen bescheren der Solarindustrie das lange ersehnte Comeback. Vor allem außerhalb Europas brummt das Geschäft. Für die meisten deutschen Firmen kommt der einsetzende Boom allerdings zu spät.

Hamburg - Im deutschen Solar Valley keimt ein kleines bisschen Hoffnung. "Unsere Produktion in Deutschland ist voll ausgelastet, der Absatz steigt von Monat zu Monat", sagt ein Sprecher des Fotovoltaik-Spezialisten Hanwah Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. "Deshalb stellen wir neue Mitarbeiter ein."

Binnen Jahresfrist steige die Mitarbeiterzahl in Deutschland von 700 auf 850. Im Vergleich zu den guten alten Zeiten vor der Insolvenz ist das noch immer wenig. Weltweit beschäftigt das Unternehmen heute 1300 Menschen, 2009 waren es mehr als 2700. Aber immerhin - die Richtung scheint zu stimmen.

Ein Grund für den verhaltenen Optimismus: Weltweit zieht die Nachfrage nach Fotovoltaikanlagen wieder deutlich an. Nachdem der Absatz im vergangenen Jahr nur minimal zulegte, soll er in diesem Jahr von 30 auf 35 Gigawatt neu installierter Leistung steigen, wie die Marktforscher von IHS erwarten.

Für 2014 reichen die Prognosen verschiedener Branchenexperten von 42 bis 55 Gigawatt, was einem Wachstum von bis zu 57 Prozent entsprechen würde. Im optimistischsten Fall würden Solaranlagen ans Netz gehen, die - über ein Jahr gerechnet - ungefähr so viel Strom erzeugen könnten wie sechs große Atomkraftwerke. Das beste für die Firmen an dem neuen Solarboom: Die Preise für die Anlagen fallen kaum noch. Deshalb steigen die Chancen für höhere Umsätze und Gewinne.

Preisverfall - Fluch und Segen zugleich

Der langjährige Preisverfall bei Solarmodulen ist zugleich Ursache des wiederaufkeimenden Interesses an der Technologie. "Der wichtigste Treiber sind die gesunkenen Kosten und die damit einhergehenden niedrigeren Stromgestehungskosten für Fotovoltaik-Strom", sagt Branchenkenner Martin Ammon vom Marktforschungsunternehmen EUPD.

Sogar im oft wolkenverhangenen Deutschland lasse sich Solarstrom mit großen Anlagen inzwischen für weniger als acht Cent die Kilowattstunde erzeugen, hatte zuletzt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE errechnet. Den Angaben zufolge ist das billiger als Strom aus neuen Gaskraft- und manchen Steinkohlekraftwerken. Strom aus neuen Kernkraftwerken wäre inzwischen ohnehin teurer.

"Zunehmend lohnen sich Solaranlagen ohne jegliche staatliche Förderung", sagt Ammon mit Blick auf den Weltmarkt. Vor allem in Regionen ohne Stromnetz sei Fotovoltaik oft erste Wahl, um teuren Diesel für Generatoren zu sparen oder erstmals eine Stromversorgung aufzubauen.

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