Montag, 24. September 2018

Mobilitäts-Startup "Bird" Von null auf eine Milliarde Dollar - dieses Start-up war am schnellsten

Passant auf elektrischem Bird-Scooter in San Francisco: Für die Nutzer ist das Ausleihen per App bequem ...

Junge Unternehmen, die es auf eine Bewertung von einer Milliarde Dollar bringen, sind im Silicon Valley keine Seltenheit. Mehr als 200 solcher "Einhörner" sind nach Berechnungen des Wagniskapital-Analysehauses CB Insights bereits im Westen der USA zu finden, der Goldgräberstimmung im Technologiesektor sei Dank. Doch obwohl den Risikokapitalgebern das Geld derzeit sehr locker sitzt, hat das junge Mobilitäts-Start-up "Bird" dennoch einen bemerkenswerten Rekord geschafft: Das erst im September 2017 gegründete Unternehmen brauchte nicht einmal ein Jahr, um seine Bewertung über die Marke von einer Milliarde Dollar zu heben.

Der bisherige Rekordhalter, der 3-D-Druck-Spezialist Desktop Metal, brauchte mit rund 20 Monaten noch etwa die doppelte Zeit dafür. Bird, ein Anbieter von Elektro-Scootern, darf sich nun als das am schnellsten herangewachsene Einhorn rühmen. Nach Angaben der US-Seite "Quartz" hat eine Finanzierungsrunde im Mai, an der neben dem Wagniskapitalgeber Sequoia Capital auch Tusk Ventures und Accel teilnahmen, weitere 150 Millionen Dollar in die Kassen von "Bird" gespült - und die Bewertung des jungen Unternehmens zugleich über die magische Marke von 1 Milliarde Dollar geschraubt.

Laut Quartz ist bereits eine weitere Finanzierungsrunde im Volumen von 300 Millionen Dollar in Vorbereitung, welche die Bewertung des Unternehmens weiter steigen lassen würde. Doch das Unternehmen selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Doch wie schafft es ein Mobilitäts-Unternehmen, in so einem schwindelerregenden Tempo so viel Geld einzusammeln? Bird verleiht in zahlreichen US-Großstädten elektronische Roller ("Scooter") zum Preis von 1 Dollar. Diese werden per App freigeschaltet. Für jede Minute, die der Nutzer auf dem Roller fährt, kommen 15 Cent hinzu. Das Besondere an den Bird-Scootern ist, dass sie an keine Ladestation angeschlossen werden müssen, der Nutzer sammelt sie einfach am Straßenrand an so genannten "Nestern" auf.

... um das Wiederaufladen und die Neuverteilung kümmern sich freiwillige "Charger". Bird braucht damit keine Ladestationen in den Innenstädten - den Job erledigen über Nacht mäßig bezahlte "Gig Workers"

Für das Wiederaufladen über Nacht sowie für die erneute Verteilung der Elektroscooter sind so genannte "Charger" verantwortlich, die dafür pro Fahrzeug eine Prämie bekommen. Bird-Gründer Travis van der Zanden hatte zuvor bei Uber und Lyft einschlägige Erfahrungen gesammelt, wie man mit Hilfe prekärer Arbeitsverhältnisse und nicht fest angestellter Helfer, die in großen Innenstädten in der Nacht im Wettlauf miteinander arbeiten, den Firmenwert steigern kann.

Der Einsatz solcher "Gig Workers" gilt im Silicon Valley als einer der großen Zukunftstrends - und Bird verknüpft die Themen Elektromobilität, Mobilität in den Innenstädten sowie Gig Workers auf geschickte Weise. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis das in Rekordzeit gewachsene Einhorn Bird die Grenze von 2 Milliarden Dollar knackt.

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