Sonntag, 29. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Energie "Viele Faktoren sprechen dauerhaft für die USA"

Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?
Bruce Gordon / EcoFlight
Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?

Mehrere Technologiesprünge mischen die Energiewelt auf: Fracking ermöglicht die Förderung gewaltiger Öl- und Gasreserven, zudem breiten sich erneuerbare Energien rasant aus. Die McKinsey-Berater Thomas Vahlenkamp und Michael Peters erklären, wie Deutschland in dieser Lage bestehen kann.

mm: Herr Vahlenkamp, Deutschland hat sich bei der Energiewende weit vorgewagt. Haben wir uns übernommen oder kriegen wir die Kurve?

Vahlenkamp: Die politische Entscheidung für die Energiewende in Deutschland war und ist richtig. Allerdings ist die Energiewende nicht auf dem Erfolgspfad. Die Explosion der EEG-Umlage ist nur ein Anzeichen für Schwächen in der Umsetzung.

mm: Die Industrie warnt eindringlich davor, dass Strom in Deutschland zu teuer sei. Doch wie eindeutig ist das Bild? Gerade die energieintensive Industrie ist doch von vielen Abgaben entlastet und zahlt mitunter deutlich weniger für Strom als in anderen Ländern.

Vahlenkamp: Die Preise für Industriestrom in Deutschland liegen nach Angaben von Eurostat aktuell rund 18 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Das verschlechtert eindeutig die Wettbewerbsposition vieler Firmen. Die Folgen sehen wir beispielsweise in der Chemieindustrie: Investitionen werden verlagert, damit wird das Wachstum in Deutschland beschnitten. Selbstverständlich kommt es immer auf den Einzelfall an. Aber generell steht die Industrie in Deutschland beim Strom unter einem enormen Kostendruck. Viele mittelständische Metallverarbeiter wären nicht mehr profitabel, wenn sie die vollen Umlagen und Abgaben auf Strom bezahlen müssten.

mm: In der Chemiebranche geht es aber eher um Gas. Da kann die Politik viel weniger steuern als beim Strom. Fallen wir hoffnungslos hinter die USA zurück?

Vahlenkamp: Wir beobachten zwei Effekte, die den Kostenabstand vergrößern. Die deutsche Politik macht Energie teurer für die Volkswirtschaft, gleichzeitig senkt der Schiefergasboom die Preise in den USA. Dort liegt der Gaspreis um zwei Drittel unter dem Niveau von 2008 - bei vier bis fünf Dollar pro MMBtu. Zuletzt ist er zwar etwas gestiegen, weil angesichts des Preisverfalls kaum jemand neue Förderprojekte anstößt, trotzdem liegt er immer noch weit unter den Preisen hier in Europa. Für Schiefergas wären nach groben Schätzungen in Europa acht bis zehn Dollar pro mmBTU realistisch. Geologie und Umweltbestimmungen machen das Gas hier teurer als in den USA.

mm: Zuletzt ist der Gaspreis in Europa aber stark gesunken, Gas war in den USA nur noch etwa 20 Prozent billiger (Spotmarkt). Wird sich die Schere wieder öffnen?

Vahlenkamp: Vor allem der milde Winter in Europa hat zu einem deutlichen Rückgang der Gaspreise geführt. Allerdings ist Gas in den USA zurzeit immer noch rund ein Drittel günstiger als in Europa. Die langfristigen Lieferverträge in den USA deuten darauf hin, dass der Kostennachteil Europas bestehen bleibt. Firmen können in den USA über 20 Jahre Gas für unter fünf Dollar pro MMBtu beziehen. Wenn Sie jetzt beispielsweise eine chemische Großanlage bauen, bekommen Sie die langfristige billige Versorgung mit Gas dazu. Es gibt nur ein Risiko: Kann der Gaslieferant das durchhalten und seine Kosten decken?

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH