Freitag, 1. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Kernfusionsreaktor Lockheed Martin verspricht Lösung aller Energieprobleme

Der Reaktor soll auf einen Lastwagen passen: Lockheed-Martin-Projektleiter Tom McGuire präsentiert das Laborexperiment von Skunk Works

Als ferne Hoffnung auf unendliche Energie gilt bisher die Kernfusion, in die Staaten bereits zig Milliarden investiert haben. Nun erklärt die US-Rüstungsfirma Lockheed Martin, mit einem Mini-Reaktor den Durchbruch geschafft zu haben. Schon in zehn Jahren soll die Technik genutzt werden.

Hamburg - Kühn ist die Behauptung, und kühn ist der dazu gehörige Auftritt. In futuristischer Aufmachung verkündet die US-Rüstungsfirma Lockheed Martin "den Neustart für das Atomzeitalter". Im Video erklärt Lockheed-Forscher Tom McGuire, die Wirkungsweise der Sonne innerhalb einer kleinen magnetischen Flasche erfolgreich kopiert zu haben. Die Lösung aller Energieprobleme sei nah: "Keine Emissionen, sicherer Betrieb, frei von der Gefahr der Verbreitung waffenfähigen Materials."

Die Kernfusion - im Gegensatz zur Kernspaltung, mit der gängige Atomkraftwerke betrieben werden - gilt seit Jahrzehnten als große Hoffnung für die Energiesorgen der Menschheit; spätestens seit der internationalen Konferenz "Atoms for Peace" 1958 wird von unbegrenztem Treibstoff für Haushalte, Industrie, Flugzeuge oder Schiffe fantasiert.

"Wir können die große Vision von 'Atoms for Peace' erreichen und der Welt saubere Energie bringen", behauptet der junge Forscher, und, besonders kühn: "Wenn wir damit fertig sind, kann ich noch nicht einmal in Rente gehen, sondern muss mir noch einen anderen Job suchen." Schon in zehn Jahren sei die von Lockheed Martin Börsen-Chart zeigen entwickelte Technik militärisch nutzbar; in zwanzig Jahren sollen die kompakten Reaktoren als kommerzielle Kraftwerke dienen.

Damit würde das von einem privaten Konzern unterhaltene Forscherteam des Labors Skunk Works im kalifornischen Pasadena die geballte Macht der staatlichen Institutionen um Längen schlagen.

Im internationalen Kernfusionsprojekt Iter beispielsweise haben sich die EU, USA, Russland, China, Japan, Indien und Südkorea zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Forschungsreaktor im französischen Cadarache finanzieren zu können. Der auf rund 50 Milliarden Euro bezifferte Bau dauert seit 1997 und soll zum Ende dieses Jahrzehnts abgeschlossen sein. Ein Erfolg dieser Anlage wäre erst die Grundlage für den Bau eines Pilotkraftwerks, das tatsächlich Strom liefert - kommerzielle Nutzung vor Mitte des Jahrhunderts ausgeschlossen.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH