Freitag, 14. Dezember 2018

BG-Group-Chef Helge Lund Der Abgang von Norwegens Öl- und Gas-Superstar

Seit zwei Monaten steht er an der Spitze der BG Group, nun ist Helge Lund Chef auf Abruf

Die Verpflichtung von Helge Lund durch die britische BG Group im Herbst 2014 Jahr erinnerte stark an einen Königstransfer von Chelsea London. So dringend brauchte BG-Board-Chef Andrew Gould eine neue Spitzenkraft an der Spitze des angeschlagenen Öl- und Gaskonzerns, dass er die Taschen sehr weit aufmachte.

Nicht weniger als 25 Millionen Pfund (das entspricht heute 34,4 Millionen Euro) sollte der vom norwegischen Staatskonzern Statoil abgeworbene Lund im Jahr bekommen, davon etwa die Hälfte in Aktien. Diese für britische Verhältnisse exorbitante Summe erregte die Öffentlichkeit und manche Investoren derart, dass die BG-Aufseher einen peinlichen Rückzieher machten. Zumindest für das erste Jahr halbierten sie Lunds Gehalt in etwa.

Den Ärger hätten sich die Beteiligten sparen können. Ganze zwei Monate hat Lund den Chefposten in Reading bei London bekleidet - um jetzt zu verkünden, dass BG für 47 Milliarden Pfund (64,6 Milliarden Euro) an Shell verkauft werden soll. Lund selbst werde "sein eigenes Ding machen", wenn die Übernahme vollendet sei, sagte Shell-Chef Ben van Beurden in einem Fernsehinterview.

Was für eine Schmach für Lund. Eigentlich sollte er das Ruder bei BG herumreißen, nun wird er faktisch zum Abwickler des aus British Gas hervorgegangenen Unternehmens. Dieses hatte zuletzt mit massiven Problemen in Nordafrika zu kämpfen und gab mehrere Gewinnwarnungen aus.

Dabei hatte sich Ex-McKinsey-Mann Lund bei Statoil nachweislich für neue Aufgaben qualifiziert. Aus einer etwas verschlafenen Staatsfirma schmiedete er einen weltweit agierenden Multi.

Für BG dagegen war es zuletzt bergab gegangen. Schon seit 2012 hatte der Konzern ein echtes Führungsproblem. Nachdem der langjährige Chef Frank Chapman das Unternehmen verlassen hatte, sollte Chris Finlayson neue Perspektiven aufzeigen - was gründlich misslang. Er musste nach 16 Monaten wieder gehen.

FT: Lund könnte 28 Millionen Pfund für seine Arbeit bekommen

Für eine kurze Übergangszeit lenkte Verwaltungsratschef Andrew Gould BG selbst. Mit Lund sollte endlich alles besser werden - doch nun ist wieder etwas dazwischen gekommen.

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Angesichts des immer weiter gefallenen Ölpreises sah Gould zuletzt offenbar keine Chance mehr für die Eigenständigkeit von BG. Dickschiffe der Branche wie Shell und Exxon sehen dagegen die Zeit gekommen, kleinere Wettbewerber zu übernehmen. Dagegen konnte letztlich auch der norwegische Öl- und Gas-Superstar nichts ausrichten.

Als sicher gilt jedoch, dass er sich seinen Abschied vergolden lassen wird. Wie die Financial Times schreibt, wird er von BG etwa 28 Millionen Pfund (38,5 Millionen Euro) ausgezahlt bekommen.

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