Samstag, 3. Dezember 2016

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Billiges Öl Der Anfang vom Ende

Ölpreisverfall: Die Energiewelt fährt Achterbahn
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DPA

Öl ist so billig wie seit Jahren nicht mehr. Zerstört das schwarze Gold nun die alternativen Energien und setzt seinen Siegeszug ungestört fort? Das Gegenteil ist wahrscheinlicher: Der Preisverfall könnte ein Hinweis darauf sein, dass es mit dem Ölzeitalter zu Ende geht.

In den USA können Autofahrer ihr Glück derzeit kaum fassen: Eine Gallone Benzin kostet in weiten Teilen des Landes weniger als zwei Dollar. Umgerechnet auf den Liter sind das sage und schreibe 44 Eurocent. Kein Wunder, dass die Leute wie wild große Wagen kaufen.

Kein Wunder auch, dass bereits eine Debatte darüber eingesetzt hat, ob ein möglicherweise lang anhaltender Preisverfall den 150 Jahre währenden Siegeszug des schwarzen Goldes bis weit ins laufende Jahrhundert verlängert. Getreu dem Motto: Wenn Öl so billig ist (zuletzt unter 50 Dollar pro Fass), sind Alternativen ja nicht erforderlich.

Es passt ins Bild, dass sich kaum noch Vertreter der so genannten "Peak Oil"-Theorie aus der Deckung wagen. Sie hatten lange behauptet: Immer knappere Ölverkommen werden die Preise in gefährliche Höhen steigen lassen. Deshalb drohe der Weltwirtschaft der Kollaps, sofern nicht rasch andere Energiequellen bereitstehen oder massiv gespart wird.

Ölgeschäft in heutiger Form ist ohne hohen Ölpreis nicht tragbar

Alles Geschichte? Kommt nun die Zeit des business as usual, in dem Öl die altbekannte Rolle als Schmierstoff der Weltwirtschaft spielt und wo der Ölpreis ein zuverlässiges Konjunktur- und Krisenbarometer ist?

Gut möglich, das es völlig anders kommt. Tatsächlich könnte der aktuelle Preisverfall auch Vorbote einer epochalen Krise sein, auf die der Energieträger Öl, die Förderländer und weite Teile der Energiekonzerne sowie ihre Zulieferer zusteuern. Denn das Geschäft mit dem Öl ist in seiner aktuellen Dimension ohne einen hohen Ölpreis gar nicht mehr tragbar. Doch gleichzeitig werden viele Alternativen zunehmend attraktiv.

Schon jetzt ist der niedrige Ölpreis für eine wachsende Zahl von Produzenten tödlich: In den USA gerät die teure Fördermethode Fracking zunehmend an ihre Grenzen. Explorationsfirmen entlassen Mitarbeiter, kürzen die Dividende und geraten in Zahlungsschwierigkeiten.

Viele neue Projekte in der Arktis, der Tiefsee oder den kanadischen Teersanden lohnen sich wegen der gigantischen Kosten nicht mehr. Es ist verdammt teuer, den Planeten bis zum letzten Tropfen auszuquetschen - diese Peak-Oil-These hat durchaus Bestand. In zahlreiche Staaten wie dem Iran oder Venezuela reichen die Einnahmen bei Weitem nicht mehr aus, um den Staatshaushalt auszugleichen.

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