Dienstag, 26. Juli 2016

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Pleitewelle Chinas Kohlerevier geht die Puste aus

Nur die großen Betriebe halten überhaupt noch durch: Arbeiter in staatlichem Kohletagebau

Leere Landstraßen, aufgegebene Geschäfte, Kohle zum Schleuderpreis: Die Bergbauregionen um die Innere Mongolei stürzen nach ihrem beispiellosen Boom in eine tiefe Krise. Chinas nachlassender Energiehunger bringt sogar das Finanzsystem in Gefahr.

Ordos - Als Geisterstadt ist Ordos schon oft beschrieben worden. Viel zu groß geraten waren die Pläne für die Millionenstadt aus der Retorte in Chinas kargem Norden. Immerhin aber konnte Ordos sich rühmen, als Zentrum der Kohlereviere rund um die Innere Mongolei den wichtigsten Brennstoff für die energiehungrigste Nation der Welt zu liefern.

Doch jetzt ist auch davon nicht mehr viel zu spüren, berichtet Fayen Wong von der Nachrichtenagentur Reuters. Die Baofu-Straße, vor wenigen Jahren noch berühmt für tagelange Staus von Lastwagen, sei leer - gesäumt von geschlossenen Restaurants und Werbetafeln für Steinkohle im Sonderangebot.

Das geringere Wachstum der chinesischen Wirtschaft, verbunden mit einer Flut ausländischer Kohle in den Häfen des Landes, hat die Preise auf den tiefsten Stand seit Beginn der Statistik gedrückt. Dem Bericht zufolge haben kleinere Bergbaubetriebe bereits reihenweise aufgegeben, von den verbliebenen rund 300 Firmen stehe ein Zehntel unmittelbar vor dem Aus, größere Unternehmen hätten ihre Löhne um bis zu 50 Prozent gekürzt.

Die Bergbaubetriebe in der Inneren Mongolei machten 20 bis 30 Yuan Verlust pro Tonne geförderter Kohle, wird Analyst Li Ji von Galaxy Futures zitiert. "Die Größeren halten das aus, um den Marktanteil zu halten, aber die ohne Finanzkraft haben die Produktion gestoppt."

Ein besonderes Problem sei die große Abhängigkeit von sogenannten Schattenbanken, privaten Kreditgebern. Etliche Kohleunternehmer hätten bereits ihre Luxusimmobilien und Oberklassewagen abgestoßen, um wieder flüssig zu werden. Doch inzwischen seien die Geldgeber dazu übergegangen, die pleitegegangenen Tagebaue zu pfänden - ohne große Hoffnung, diese Vermögenswerte zu Geld machen zu können.

Schlimmstenfalls könnte die Kohlekrise dazu führen, das Finanzsystem des Landes in Not zu bringen. Auch Großbanken wie die China Construction Bank Börsen-Chart zeigen sind dem Bericht zufolge von der Branchenmisere betroffen.

ak/rtr

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