Freitag, 20. Oktober 2017

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Windenergie in der Kritik Die fünf größten Risiken der Himmelsstürmer

4. Teil: Fiasko Offshore-Windparks: Von den Problemen eines sehr deutschen Projekts

Offshore-Windpark Bard in der Nordsee: Die Anlagen produzieren viel weniger Strom als erwartet. Auch mit der Netzanbindung gibt es Probleme
Geht doch endlich mit der Offshore-Windkraft, oder? So sind zuletzt die ersten größeren Rotorenparks in der deutschen Nordsee ans Netz gegangen. Inzwischen speisen Anlagen mit mehr als einem Gigawatt Elektrizität ein. "Die Offshore-Technologie steht vor dem Durchbruch", sagt BWE-Präsident Albers. Das beeindruckt auch das Ausland. "Deutschland bedroht den Vorsprung von Großbritannien bei der Offshore-Windkraft", sorgte sich zuletzt die "Financial Times".

Doch immer noch schmerzen die anfänglichen Pannen. So hatte sich Siemens mit dem Bau von mehreren Stromrichter-Plattformen verhoben - und fast eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt. Konkurrent ABB leidet bis heute an ähnlichen Problemen. Ein Großteil der Verzögerungskosten wird auf die Stromkunden abgewälzt.

Zukunft für deutsche Offshore-Technik unklar

Es bleibt offen, ob die aufwändige Technik jenseits der tiefen deutschen Gewässer jemals gebraucht wird. Möglicherweise rächt sich, dass die Anforderungen an die Offshore-Windkraft in keinem Land so hoch sind wie in Deutschland.

Das Sorgenkind Nummer Eins ist derzeit ist der Windpark Bard I, befindlich im Besitz der Bank Unicredit. Nicht nur, dass das 400-Megawatt-Projekt drei Milliarden Euro statt anderthalb gekostet hat. Bis heute liefert der Park zudem viel weniger Strom als geplant.

Die Maximalleistung der 80 Anlagen Marke Eigenbau liege nur bei 200 Megawatt, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Tennet gegenüber manager magazin. Das jüngste Statement der Unicredit macht nicht unbedingt Hoffnung: "Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung geeigneter Lösungswege", hieß es zuletzt vielsagend aus der Bank.

Dänischer Offshore-Windpark bei Anholt: Deutlich günstigere Stromproduktion als in Deutschland
Vergleichsweise harmlos gegen dieses Desaster nimmt sich die jüngste Negativnachricht aus der Branche aus. Tonnenweise sonderten die Windkraftanlagen giftige Metallverbindungen ins Meer ab, berichtete der SPIEGEL. Sie lösten sich aus der Rostschutzfarbe heraus, die die Anlagen schützt. Eine Alternativlösung sei möglich - aber teuer.

Riskofaktor: Erheblich. Die deutsche Offshore-Windtechnik bleibt ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Gewässer sind tief, der Abstand zum Festland ist groß. Unwahrscheinlich, dass die Parks langfristig gegen Windkraftanlagen an Land und in den flacheren Gewässern Dänemarks oder Großbritanniens bestehen können.

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