Mittwoch, 22. November 2017

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Windenergie in der Kritik Die fünf größten Risiken der Himmelsstürmer

3. Teil: Bürger kämpfen gegen Windmühlen: Der Infraschall und die Sorge um die Heimat

Protest gegen den "unkontrollierten Windkraftausbau" in Mecklenburg-Vorpommern: Angst um die Heimat und die Gesundheit
Im kleinen Örtchen Kelberg in der Eifel haben die Bürger zuletzt Protest gewählt - Protest gegen die Windkraft. Die meisten Stimmen bekam 2014 zwar immer noch die CDU. Ebenfalls vier Sitze im Gemeindeparlament errang allerdings die Liste "Sturm im Wald" - ein Zusammenschluss von Anti-Windkraft-Initiativen in Rheinland-Pfalz. Hintergrund: Rund um Kelberg sollen zahlreiche Windräder aufgestellt werden.

In den Augen der Initiativen verschandeln die Rotoren zunehmend Wälder und Hügellandschaften. Und oft profitierten nur wenige Menschen - darunter die Grundbesitzer - und Ortsfremde finanziell stark von den Mühlen. Berichte über Schlafstörungen durch Infraschall verbreiten sich rasend und haben schon die alternative Tageszeitung "Taz" erreicht. Behörden in Dänemark und Deutschland gehen dem Thema nun wissenschaftlich auf den Grund.

Vom Antreiber zum Kritiker der Energiewende: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) steht neuen Windparks und Stromstrassen skeptisch gegenüber
Manche Argumente derartiger Anti-Windkraft-Initiativen sind zwar hanebüchen ("Windräder nützen nicht dem Klimaschutz"), doch entfaltet die Bewegung mancherorts einigen Druck. In Bayern zeigte sich Ministerpräsident Hort Seehofer (CSU) so beeindruckt, dass seine Regierung extrem große Abstände von den Anlagen zu Wohnhäusern durchsetzte. Der weitere Ausbau der Windkraft im Freistaat ist damit so gut wie gestoppt.

Auch neue Stromleitungen, die Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren sollen, stoßen auf breiten Widerstand der betroffenen Bevölkerung. Ohne neue Flächen und ohne neue Leitungen steht es aber schlecht um die Windkraft. Zumindest in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland stößt die Windkraft mancherorts an Grenzen. Künftig wird es vielerorts nicht mehr Windräder, sondern weniger geben - dafür aber umso leistungsfähigere.

Risikofaktor: Überschaubar. In manchen Regionen kann die Wutwelle das Aus für die Windkraft bedeuten, sie gefährdet aber nicht den weltweiten Vormarsch der Technik.

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