Freitag, 14. Dezember 2018

Windenergie in der Kritik Die fünf größten Risiken der Himmelsstürmer

2. Teil: Kaputte Rotoren oder: Geplatzter Traum vom anstrengungslosen Windwohlstand

Brennende Windkraftanlage in Schleswig-Holstein: Technische Probleme verteuern Windstrom stärker als erwartet
Mit der Windenergie verbindet sich nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein ökonomischer Traum: Wer einmal investiert, kassiert Jahrzehnte lang. Der Wind schreibt eben keine Rechnung. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn die Anlagen hielten oft nicht, was sie versprechen.

Bezeugen kann auch das Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE). Rund um seinen Hof bei Husum (Schleswig-Holstein) hat er 1993 einen Windpark mit elf Anlagen errichtet.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie: Plötzlich lag die Gondel samt Rotorblättern auf dem Acker
Seither hat Albers manche Schrecksekunde überstanden: Einmal krachte eine gesamte Gondel samt Rotorblättern zu Boden, ein anderes Mal fing eine Anlage Feuer - wohl wegen eines Kurzschlusses. Zu Schaden kam beide Male niemand. "Immer wieder mussten Anlagen ausgetauscht werden", sagt Albers. "Wir haben Lehrgeld gezahlt. Aber so ist das bei jeder Innovation."

Was Albers erlebt hat, sind keine Einzelfälle. Vor einigen Jahren litten Hersteller und Betreiber unter einer Pannenserie durch störanfällige Getriebe. Wirtschaftlichkeitsberechnungen brachen reihenweise in sich zusammen - teure Folgen des Prinzips "Versuch und Irrtum".

Rotorlager verschleißen schneller als erwartet

Dieses Problem gilt als weitgehend behoben. Doch die Anlagen entwickeln sich weiter, werden größer. Und damit wächst das Risiko: Wie lange hält das Material die enormen Lasten aus?

Zwei prominente Hersteller - Siemens und Senvion - haben zuletzt ihre Rückstellungen deutlich erhöht, um Gewährleistungsansprüchen nachkommen zu können. Bei beiden Herstellern schwächelten unter anderem Rotorlager in den Anlagen.

Senvion teilte manager magazin auf Anfrage mit, die Lagerprobleme einiger Offshore-Anlagen seien gelöst. Gleichwohl stiegen die Rückstellungen zuletzt weiter - auf gut 150 Millionen Euro.

Siemens musstelaut Medienberichten ebenfalls eine dreistellige Millionensumme zur Seite legen. Wegen der Lager habe Siemens mit einem Lieferanten "Gespräche geführt", wie ein Siemens-Sprecher vage mitteilte. Auch Rotorenblätter wurden ausgetauscht, das Design überarbeitet.

Überreste eines Windradmastes in Brandenburg: Die Anlagen halten oftmals nicht so lange wie erhofft - und sind teuer im Unterhalt
Klar ist jedenfalls auch nach vielen technischen Verbesserungen: Kostenlosen Strom erzeugen Windräder wegen der vielen Reparaturen und Wartungsarbeiten nicht - weder bevor, noch nachdem sie abgeschrieben sind.

Im Rahmen von Vollwartungsverträgen zahlen Windparkbetreiber wegen des Verschleißes etwa 1,1 bis 1,3 Cent pro Kilowattstunde Strom - zusätzlich zu anderen laufenden Kosten in etwa derselben Höhe (Pacht, Betriebsführung und anderes). Da die gesetzliche Förderung in Deutschland sieben bis acht Cent pro Kilowattstunde beträgt, ist das zunächst nicht weiter gravierend.

Unter Marktbedingungen schmerzen hohe Wartungskosten besonders

Anders sieht es aus, wenn Windstrom am Markt bestehen soll: Bei einem derzeitigen Börsenstrompreis von gut drei Cent pro Kilowattstunde schmerzen die Wartungskosten. Zumal die Turbinen den Strom in großen Teilen nachts erzeugen. Dann ist der Marktwert der Elektrizität noch geringer.

Risikofaktor: Nicht unerheblich. Technische Probleme machen Windstrom teurer als erhofft. Die Windkraftanlagen müssen besser werden, damit die von ihnen erzeugte Elektrizität in den meisten Regionen voll wettbewerbsfähig wird.

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