Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Schwerster Tropensturm seit 1961 "Harvey" wütet in Texas - Angst vor Flut im Herz der Ölindustrie

Hurrikan "Harvey": Texanische Küste im Notstand
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AP

In Texas sind durch den stärksten Sturm seit mehr als 50 Jahren zwei Menschen ums Leben gekommen. Zwar schwächte sich der mit großer Sorge erwartete Hurrikan "Harvey" am Wochenende ab, nachdem er auf Land traf. Trotzdem richtete er großes Chaos an. Mehr als 230.000 Menschen saßen nach Stromausfällen im Dunkeln. Die andauernden heftigen Regenfälle schürten Ängste vor heftigen Überschwemmungen. Zunächst war unklar, welchen Schaden "Harvey" insgesamt angerichtet hat. Fest stand, dass in der Küstenregion zahlreiche Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt und Autos beschädigt wurden. Viele Öl- und Gasproduzenten stellten vorübergehend ihre Arbeit ein.

Eine Frau starb, als sie mit ihrem Auto durch die überfluteten Straßen im Westen der Millionenstadt Houston fuhr. Ein weiterer Mensch kam bei einem Hausbrand in der besonders stark getroffenen Kleinstadt Rockport ums Leben, wie der Bürgermeister Charles Wax am Samstag sagte. Etwa ein Dutzend Menschen in der Region hätten Verletzungen wie Knochenbrüche erlitten, sagte ein anderer Vertreter der Behörden.

Der Sturm war in der Nacht zu Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern in der Stunde über die Küste von Texas hinweggefegt. Damit war "Harvey" der stärkste Sturm, der den Bundesstaat seit "Carla" 1961 heimgesucht hat. Über Land schwächte sich "Harvey" weiter ab und wurde zum Tropensturm herabgestuft.

Gefahr drohte vor allem durch Starkregen. Für einige Gegenden wurden Niederschlagsmengen von bis zu 102 Zentimetern vorhergesagt. Vom Ausmaß des Regens in den kommenden Tagen, den folgenden möglichen Überschwemmungen und der genauen Windrichtung hängt ab, wie groß der Schaden wird.

Besonders die Schifffahrtsstraße Houston Ship Channel gilt als bedroht. Ein Großteil der Tanklager der Ölindustrie ist dort nur leicht über dem Meeresspiegel untergebracht. Experten warnen seit Jahren, der Sturmflutschutz sei unzureichend - vor allem, wenn der Klimawandel zu immer mehr verheerenden Tropenstürmen führt. Beim Hurrikan "Ike" 2008 hatte der Schutz noch knapp ausgereicht.

"Das ist ernst", warnte Houstons Bürgermeister Sylvester Turner die rund zwei Millionen Einwohner. Es sei wichtig, dass niemand auf die Straße gehe. Dem Gouverneur von Texas, Greg Abbott, zufolge sind rund 1800 Militärangehörige im Einsatz, um bei Rettungsaktionen und Aufräumarbeiten zu helfen.

Der Sturm dürfte Texas noch tagelang in Atem halten, da er sich nur langsam fortbewegt. Laut Meteorologen könnten die starken Regenfälle die gesamte nächste Woche andauern. In Corpus Christi wiesen die Behörden die Anwohner an, ihren Wasserverbrauch zu drosseln und Trinkwasser abzukochen. Wegen der Stromausfälle kamen die Klärwerke nicht mit der Reinigung der Abwässer nach. In der Nähe des Flusses Brazos wurden rund 4500 Gefängnisinsassen aufgrund des steigenden Wasserspiegels in Sicherheit gebracht. Die US-Küstenwache rettete am Samstag nach eigenen Angaben 20 Menschen, deren Boote in Seenot geraten waren.

In der Region ist auch fast die Hälfte der US-Raffinerien angesiedelt, im Golf selbst erfolgt knapp ein Fünftel der Öl-Produktion des Landes. Konzerne wie Royal Dutch Shell Börsen-Chart zeigen , Anadarko Petroleum und Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen haben ihre Öl- und Gasplattformen vor der Küste evakuiert. Die Gaspreise in den USA zogen bereits an. Auch Öl Börsen-Chart zeigen verteuerte sich etwas.

US-Präsident Donald Trump, der sich nun mit dem ersten schweren Sturm in seiner Amtszeit konfrontiert sieht, hat für Texas den Katastrophenzustand ausgerufen. Er habe auf Wunsch des Gouverneurs des Bundesstaates, Greg Abbott, gehandelt, twitterte Trump am Freitag. Somit könnten jegliche Staatshilfen in Anspruch genommen werden.

Im August 2005 hatte der Kategorie-5-Hurrikan "Katrina" in den südöstlichen Bundesstaaten der USA am Golf von Mexiko schwere Schäden verursacht. Besonders der Großraum New Orleans war betroffen, aber auch weite Gebiete in Louisiana, Florida, Mississippi, Alabama und Georgia.

ak/reuters/ap

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